Das Weinviertel zwischen zwei Buchdeckeln
Beitragsfoto: © Ulrike Potmesil
Er ist ein Zuagraster, ein gebürtiger Steirer, mittlerweile aber definitiv ein Hiesiger. Ulrich Winkler-Hermaden kann sich mit Fug und Recht als Weinviertel-Spezialist bezeichnen. Der Verleger bringt Bücher, Bildbände und historische Werke heraus – bevorzugt über Wien und Niederösterreich. Und die Edition Winkler-Hermaden führt mit Abstand die meisten Publikationen, die sich dem Weinviertel widmen.
Ende der Achtzigerjahre verschlug es Ulrich Winkler-Hermaden nach Schleinbach, nachdem er zuvor mehrere berufliche Stationen absolviert hatte. Geboren und aufgewachsen ist er auf Schloss Kapfenstein in der Südoststeiermark, wo seine Eltern ein Weingut und eine Pension betrieben. „Fremdenzimmer sagte man damals dazu“, schmunzelt er. Aus den sechs Zimmern ist inzwischen ein beliebtes Hotel geworden, sein Bruder und sein Neffe führen heute den bekannten Weinbaubetrieb, das Hotel leitet seine Nichte.

Nach der Volksschule kam Ulrich Winkler-Hermaden ins Internat nach Graz. „Wenn die Eltern für ihre Kinder eine höhere Schule vorgesehen hatten, war das Internat die einzige Möglichkeit – bei uns in der Nähe gab es kein Gymnasium“, erzählt er. Später studierte er Publizistik an der Universität Wien. Ursprünglich wollte er Journalist werden, schrieb erste Artikel für die Kronenzeitung. Doch dann rief Berlin. „Das war eine spannende Atmosphäre. Berlin fühlte sich für mich wie der Nabel der Welt an“, erinnert er sich. Dort begann auch seine Laufbahn als Verleger – zunächst beim Böhlau-Verlag. Mehrere Jahre war er für Werbung und Pressearbeit zuständig. „Das war die Zeit, in der ich begann, Kontakte zu pflegen, Netzwerken zu lernen und zu perfektionieren“, sagt er.
Verlagsgründung Edition Winkler-Hermaden
Es folgte der Wechsel zum deutschen Archiv-Verlag, spezialisiert auf bibliophile Ausgaben, Eisenbahngeschichte und Sportchroniken. Winkler-Hermaden blättert durch ein Werk mit Stichen des berühmten österreichischen Topografen und Kupferstechers Georg Matthäus Vischer. „Das hat mich fasziniert. Gleichzeitig habe ich Zugang zu Museen, Archiven und Autoren bekommen und mir ein umfassendes Know-how angeeignet“, erzählt er. Als absehbar wurde, dass der österreichische Standort geschlossen und ein Umzug nach Braunschweig bevorstand, fasste er einen mutigen Entschluss: Er gründete seinen eigenen Verlag.

Das war im Jahr 2009. Seine Frau Ulrike schreckten die verwegenen Pläne keineswegs. „Sie hat mich von Beginn an unterstützt“, betont Winkler-Hermaden. „Die Brünner Straße“ hieß das erste Buch der Edition Winkler-Hermaden. Es erschien in jenem Jahr, in dem die Weinviertel-Autobahn eröffnet wurde – und Wehmut unter jenen herrschte, die dem Ende der traditionsreichen Verbindung zwischen Wien und Brünn nachtrauerten. Ein Ende, das zugleich der Anfang der Verlagsgeschichte wurde. „Es war ein großer Erfolg“, resümiert er. Und es markierte die inhaltliche Ausrichtung des Verlags.
Wortklauber, Radler und Kaiser
Mittlerweile erscheinen sieben bis acht Titel pro Jahr. Besonders erfolgreich sind Bildbände wie die Reihe „Verschwundenes …“, die es inzwischen für alle niederösterreichischen Viertel gibt. Ebenso beliebt sind die Dialektlexika des Eichenbrunner „Wortklaubers“ Michael Staribacher oder Werke des Archäologen Ernst Lauermann, dem ehemaligen wissenschaftlichen Leiter des Museums für Urgeschichte in Asparn an der Zaya, sowie des Wolfpassinger Fotografen Ferdinand Altmann. Das Verlagsspektrum hat sich längst auf Nachbarbundesländer ausgeweitet, historische Themen rund um Eisenbahn, Radfahren oder Österreichs Kaiserzeit finden ebenfalls ihren Platz. Und doch kehrt man immer wieder ins Weinviertel zurück. „Aus einem wichtigen Standbein ist unser Hauptgeschäft geworden“, sagt Winkler-Hermaden.

Wie jeder Verleger setzt auch er auf bewährte Autoren. „Ernst Lauermann schreibt gerade an seinem achten Buch: Vom Goldenen Zeitalter des Weinviertels“, erzählt er. Im Herbst soll es erscheinen. Gleichzeitig ist Winkler-Hermaden stets auf der Suche nach neuen Stimmen – keine leichte Aufgabe. Mehrere Anfragen erreichen ihn wöchentlich, die meisten werden abgelehnt. Das Verlagsprogramm ist klar definiert, vieles passt schlicht nicht hinein. Ohnehin sei die Arbeit mit Autoren „herausfordernd“. Erfahrene wüssten, worauf es ankommt: sorgfältig recherchierte Texte, Fotos in exzellenter Qualität. Bei Neulingen brauche es oft Überzeugungsarbeit. „Die Abbildungen spielen in unseren Büchern eine tragende Rolle, da muss auch die Auflösung stimmen“, sagt der Verlagsprofi. Mit routinierten Autoren dauere die Produktion eines Buches rund drei Monate, mit Neulingen schon mal doppelt so lange. „Oft diskutiere ich lange über unzureichendes Bildmaterial“, schmunzelt er.



Ulrich Winkler-Hermaden in seinem Büro in Schleinbach. © Ulrike Potmesil
Der Vertrieb der Bücher läuft über Freytag & Berndt. Der renommierte kartografische Verlag druckt viele Karten bei Gerin in Wolkersdorf und betreibt dort auch ein Zentrallager. „Dort stehen meine Bücherkisten. Hier habe ich nur wenige – jene für den Direktvertrieb“, erklärt Winkler-Hermaden und deutet auf die ordentlich aufgereihten offenen Kartons im großen, lichdurchfluteten Büro in Schleinbach.
„Aktuell arbeite ich an einem Projekt mit der Wolkersdorfer Topothek“, gibt er einen Ausblick. Geplant ist ein Bildband mit Fotografien aus den 1960er- und 1970er-Jahren. „Darauf freue ich mich schon sehr.“ Seine Zielgruppe seien vorwiegend ältere Menschen, doch auch Jüngere interessierten sich zunehmend für die Geschichte ihrer Heimat. „Bilder erzählen Geschichten, die manchmal mitten ins Herz treffen.“ Sie schlagen Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart, wecken Erinnerungen und machen Geschichte greifbar.



Historisches und Regionales – 180 Titel sind bislang erschienen. © Regina Courtier
180 Titel hat die Edition Winkler-Hermaden seit 2009 veröffentlicht, rund ein Drittel davon mit Schwerpunkt Weinviertel. Selbst geschrieben hat der Verleger bisher noch kein Buch. „Ich konzentriere mich auf Pressetexte – aber vielleicht kommt das ja noch.“ Stattdessen liest er in seiner Freizeit. Keine historischen Bildbände, sondern Belletristik, zum Ausgleich. Aktuell Ferdinand von Schirach. „Ich mag diese klare Sprache.”
Wer den ganzen Bericht in der Printversion lesen möchte: Die aktuelle Ausgabe des Wolkersdorfer Regionsjournal liegt in der Stadtgemeinde Wolkersdorf auf.
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