Frischer Wind für die Hautzendorfer Kellergasse – Ab März 2026 wird renoviert.
Alle Fotos: © Regina Courtier. Am Titel Hansi Schmid, Besitzer des Kellers Nr. 10, Joschi Schäfer und Lisa-Maria Hofmann.
Ein Keller ist mehr als ein Besitz
„Eines gleich vorweg: Einen Weinkeller muss man leben“, sagt Joschi Schäfer und blickt ernst in den schmalen Hohlweg der Hautzendorfer Kellergasse. „Ihn nur kaufen, dann nix damit machen oder dem Keller später überdrüssig werden – das geht gar nicht.“ Für Schäfer ist klar: Ein Keller ist Kultur, Verantwortung und Leidenschaft gleichermaßen. „Wer das nicht transportieren will, sollte lieber keinen Weinkeller anschaffen.“



Liebe auf den ersten Blick
Es war ein Dezemberabend im Jahr 2014, als der pensionierte Handwerker gemeinsam mit Ehefrau Irmgard durch die stimmungsvoll geschmückte Kellergasse spazierte und dabei zufällig auf einen zum Verkauf stehenden Keller Nr. 21 stieß. „Immer schon fasziniert von der Vielfalt der „Ursprungskeller seit 1770“ und bereits im Ruhestand, hatte ich gar keine andere Wahl, als Besitzer eines eigenen Kellerschlüssels zu werden“, erzählt Schäfer lachend.



Handwerk, Herzblut und Vision
Nach dem Kauf begann für Schäfer ein neues Kapitel. Fünf Jahre lang plante, organisierte und zwei Jahre renovierte er.„Ich habe vorhandenes Material verarbeitet: alte Holzbalken, die niemand mehr wollte, Tonziegeln von einem Abbruchhaus. Ich war ständig unterwegs und auf der Suche nach Material. Mein Weinkeller sollte so authentisch wie möglich und damit etwas Besonderes werden„, so Schäfer.
„Bei der Gelegenheit möchte ich mich unbedingt auch nochmal bei meiner Familie und meinen Freunden für die immense Unterstützung bedanken!“
Heute ist sein „Kellerrefugium der Sonderklasse“ fertig. „Es ist mein Lebenswerk“, ist Joschi zufrieden. „Ich selbst bin kein Weinbauer, glaube aber genau zu wissen, wie man die Weinkultur der Region mit Stil und Charme präsentieren kann.“



Mehr als nur der eigene Keller
Stillstehen kommt für Schäfer nicht infrage. Neben seinen alljährlichen Kellergassenfesten und einer 2021 erschienenen CD mit „Weinviertel-Heurigenmusik“, startet er nun ein neues Projekt: die behutsame Renovierung einiger Weinkeller in der Trift.
„Die alte Bausubstanz muss erhalten bleiben“, erklärt er, „aber Risse gehören geschlossen, morsche Holzteile ersetzt und so manche Keller brauchen dringend eine Rückführung in ihren Ursprung und einen neuen Anstrich!“
14 Keller stehen auf seiner Liste – alle genehmigt, Fördermittel zugesagt. Begonnen soll im März 2026, unter der Schirmherrschaft der „Dorf- und Kellergassenerhaltung“, werden.
Die Gemeinde begrüßt das Vorhaben. „Solche Projekte entwickeln sich rasch zu gemeinschaftlichen Aktionen“, freut sich Schäfer. Und wer ihn kennt, weiß, er zieht durch, was er sich vornimmt und jeder steht da um zu helfen.



Ein Spätberufener mit Mission
Erst in der Pension absolvierte er die Ausbildung zum zertifizierten Kellergassenführer. Drei Jahre dauerte der Lehrgang, jährlich besucht er ein Auffrischungsseminar. „Man glaubt es nicht, aber in Sachen Weinkellerei gibt es immer wieder Neuigkeiten“, erzählt er. „Das ist mein Leib- und Seelenjob.“
…und wer weiß, vielleicht ist Josef Schäfer sogar der nächste Anwärter auf den „Köllamaunn“, eine Auszeichnung für Personen, die sich um ihre Kellergasse besonders verdient gemacht haben.



Kultur, Tradition, Falstaff und ein bisschen UNESCO
Kellergassen gibt es im Weinviertel seit Jahrhunderten. Sie waren von jeher Treffpunkte für Weinbauern und sind es vielerorts bis heute. Bei der „Köllastund“ wird diskutiert, philosophiert und natürlich Wein verkostet.
Die Traditionen „Weinviertler Kellerkultur“ ist mittlerweile im nationalen Verzeichnis des immateriellen „Kulturerbes der UNESCO“ gelistet. Nicht zu verwechseln mit dem „UNESCO Welterbe“ – soweit hat es die Kellerkultur noch nicht geschafft, aber lt. Auskunft des Kellergassenmanagements werden kleine Schritte in diese Richtung bereits eingeleitet.
Die Hautzendorfer Kellergasse ist längst kein Geheimtipp mehr. Durch Feste, Führungen, Musik und gelebte Tradition zählt sie zu den zehn sehenswertesten Kellergassen im Weinviertel und ist damit sogar in der Falstaff-Topliste vertreten.



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