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„Modellbahnbau macht Schule“ feiert 20-jähriges Jubiläum
Eine spannende Zugreise durch eine Weinviertler Schule

Titelbild: Christoph Lehner – alle Fotos ©Regina Courtier

Das Flair eifriger Betriebsamkeit und der Duft von Holz und Leim schlagen einem bereits am Eingang entgegen, wenn man den Werkraum der NÖMS Wolkersdorf betritt. Alles, was hier hergestellt wird, soll schließlich passen und vor allem zu einem Unikat werden. Zu einem Modul, das sich später zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Eine Handvoll Enthusiasten aus dem gesamten Weinviertel steht den Schülerinnen und Schülern seit nunmehr 20 Jahren mit Rat, Tat und Erfahrung zur Seite und begleitet den Bau der Modellgleise.
Bei der kommenden Jubiläumsausstellung zum 20-jährigen Bestehen der Modellbahn-Schulinitiative können die nachgebildeten Haltestellen und Bahnhöfe samt den vielen individuell gestalteten Weinviertler Schülermodulen von 29. bis 31. Mai 2026 auf der Großanlage im Turnsaal der Schule bestaunt werden.

Schule auf Schiene

In dieser unverbindlichen Übung werden Kreativität, Genauigkeit, Beobachtungsgabe, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein nicht nur vermittelt, sondern aktiv gefördert. Und ganz nebenbei macht das Ganze auch noch Spaß. Eine Schule, die Motivation erzeugt und einen Unterricht bietet, den sich wohl viele von uns selbst gewünscht hätten. Denn was hier Lehrer, Schüler und Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten gemeinsam auf die Beine stellen, ist beeindruckend.
Mädchen und Burschen nehmen jeweils zwei Jahre lang teil. Die Warteliste für diese Übung ist lang, die Betätigungsfelder sind vielfältig. Bereits begonnene oder halbfertige Schulmodule werden fertiggestellt, Ergänzungs- oder Renovierungsarbeiten an eingelagerten Modulen zählen zu den beliebten Herausforderungen. Darüber hinaus entstehen neue Geländemodule, die von den Kindern selbst geplant und umgesetzt werden. Die verschiedenen Projektvarianten werden gemeinsam besprochen und entsprechend den Interessen der Schülerinnen und Schüler zugeteilt. Ziel ist es, alle bestehenden und neu gebauten Module zu einer großen Gesamtanlage zusammenzufügen und diese traditionell im Rahmen der jährlichen Ausstellung der Öffentlichkeit zu präsentieren.

So schaut’s aus

„Wir haben hier also die Fertigung, dann ein Zwischen- und schließlich ein Lager für fertige Module“, erklärt Projektleiter Christoph Lehner und gewährt Einblick in die akribisch sortierten Lagerräume. „In der ersten Einheit erwerben die Kinder Grundlagenwissen über Modellmaßstäbe und Größenvergleiche, führen Maßstabsumrechnungen durch und erhalten elektrotechnische Basiskenntnisse zum Analog- und Digitalbetrieb von Modellbahnen. Werkzeugkunde und Lagerordnung runden den theoretischen Teil ab. Natürlich darf auch das spielerische Ausprobieren nicht fehlen: Auf einer einfachen Kreisanlage können die Schülerinnen und Schüler sowohl analoges als auch digitales Modellbahnfahren testen. In den weiteren Einheiten widmen wir uns dem Bau und der Gestaltung unterschiedlichster Module – und dann geht es richtig los“, so Lehner weiter.

Eine Erfolgsgeschichte mit jungen Modellbahnbegeisterten

Begonnen hat alles im Jahr 2006 in einer Tischlerwerkstatt im südlichen Weinviertel. Der damalige Mittelschullehrer Franz Neuberger traf dort zufällig auf den ambitionierten Modellbahnbauer Christian Kainz – besser bekannt als „Chrisu“ und gewissermaßen der Mastermind der Gruppe. Für seinen Verein, die Schmalspur-Modulbaugruppe (SMBG), fertigte er gerade Transportkisten für Modellbahnmodule an.
Modellbahnbau könnte eine kreative und zugleich technisch anspruchsvolle Herausforderung für interessierte Schülerinnen und Schüler sein, dachte sich Neuberger. Gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Lehner setzte er kurzerhand das erste Projekt „Bahnkreuzung Obersdorf“ um.
Zu dieser Zeit war Johann Kammerzelt noch Direktor der Schule und unterstützte die Initiative von Beginn an. Auch nach seinem Ruhestand bleibt er Teil des Teams und bringt sich mit seinem handwerklichen Können, insbesondere bei Tischlerarbeiten, ein.

Es folgte die „Haltestelle Klein Harras“, die 2010 gemeinsam mit Modulen der SMBG präsentiert wurde. Der Bahnhof Pillichsdorf und Auersthal waren die nächsten Stationen. Im Maßstab 1:87 wurden und werden bis heute, bestehende Haltestellen und Bahnhöfe rund um das „Schweinbarther Kreuz“ detailgetreu nachgebildet.
Für diese Arbeiten entwickelte Kainz ein ausgeklügeltes Material- und Werkzeugsystem, das bis heute bei der Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern zum Einsatz kommt.
Zu Hannes Winters besonderen Projektmodulen zählen das sehr detailreiches Zwischenteilmodul mit durchgehendem Bach und vor allem die Weinviertler Umkehre, mit einer typischen Weinviertler Kellergasse und einem Bauernhof, die er gemeinsam mit Franz Neuberger erstellt hat
2014 stieß Christian Baranek, ebenfalls Mitglied der SMBG, zum Team. Er gilt als Reparatur- und Elektronikspezialist: Er elektrifiziert die Schienenstränge der einzelnen Module, bringt Lokomotiven zum Fahren, lässt Lichter in Häusern erstrahlen und sorgt sogar dafür, dass so manche Modell-Kirchenglocke erklingt.

„20 Jahre Modellbahn an der NÖMS 1 Wolkersdorf“ – Modellbahn-Jubiläumsausstellung:

Freitag, 29.05.2026: 14.00 bis 21.30 Uhr (Kinderspielbetrieb: 14.00 bis 16.00 Uhr, Nachtfahrt 20.00 bis 21.30 Uhr)
Samstag, 30.05.2026: 9:00 bis 18.00 Uhr (Kinderspielbetrieb: 10.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 16.00 Uhr)
Sonntag, 31.05.2026: 9:00 bis 15.00 Uhr (Kinderspielbetrieb: 10.00 bis 12.00 Uhr und 13.00 bis 15.00 Uhr)

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