Von der Weinlaune zum Wienerlied Festival in Sierndorf
Ich verrate nichts Neues, wenn ich sage, dass mein Herz für den Sierndorfer Kellerberg schlägt. Seit dem ersten Wienerlied Festival im Weinviertel im Jahr 2023 bin ich hin und weg und immer gerne dort. Erst vor Kurzem hat mich Roland in seinen Weinkeller eingeladen, um mir ein Geheimnis zu verraten. Mit dabei waren auch Patrick und Klaus, die „16er Buam“ – und bei einem Glaserl Wein wurde ich eingeweiht, wie denn das Festival überhaupt zustande kam. Aber lest bitte selbst:
Drei Uhr früh, viel Wein und eine Idee
Die ganz großen Ideen entstehen nicht immer in faden Sitzungszimmern. Manchmal passieren sie auch dort, wo man eigentlich nichts plant: spät nachts, bei einem Glas Wein, wenn Gespräche ihre ganz eigenen Wege finden. So war das auch im Sommer 2018 in Litschau, nach der Eröffnung des Schrammelklang-Festivals.
Es war drei Uhr früh. Auf einer Terrasse saßen der Jedenspeigener Roland Sperk und das Wienerliedduo 16er Buam – Patrick Rutka und Klaus Steurer. Man kannte sich kaum, die Appartements lagen zufällig nebeneinander. Man redete, lachte, philosophierte, trank. Und irgendwann sagte Roland diesen einen Satz:
„Das wär doch was – ein Wienerliedfestival in Sierndorf, am Kellerberg. Wärt ihr dabei?“
„Jojo, wir san dabei“
Die Antwort kam ganz ohne Nachdenken:
„Jojo, wir san dabei.“



Was aus einer Weinlaune werden kann
Was in dieser Nacht vielleicht noch nach einer Weinlaune klang, war in Wahrheit der Startschuss für etwas ganz Großes. Denn Roland wachte am nächsten Morgen nicht nur mit leichten Kopfschmerzen, sondern auch mit einer Idee auf, die ihn nicht mehr losließ. Es folgten Jahre der Planung, Gespräche mit Kellerbesitzern, der Aufbau eines Teams, viele kleine Entscheidungen – und von Anfang an mittendrin waren die 16er Buam.
Die 16er Buam – Wienerlied mit Haltung und Herz
Patrick und Klaus, beide gebürtige Ottakringer, kennen einander seit einer halben Ewigkeit. Seit über drei Jahrzehnten gehen sie musikalisch gemeinsam durchs Leben, seit mehr als 20 Jahren ist Musik ihr gemeinsamer Beruf. Als 16er Buam stehen sie für ein Wienerlied, das tief verwurzelt ist und gleichzeitig modern ist. Ihre Lieder erzählen vom Alltag, von Menschen, vom Grant und vom Schmäh – getragen von einer großen Liebe zum Genre.
Ihr Wissen, dieses Gefühl dafür, was Musiker brauchen und wie Atmosphäre wirken kann, brachten sie von Beginn an in die Festivalidee ein – immer dann, wenn Roland ihre Unterstützung brauchte. Als 2023 schließlich feststand: „Burschen, nächstes Jahr ist es so weit“, war klar, dass das richtig gut wird.
Wienerlied, Wein und Kellergasse – stimmiger geht’s nimmer
Das erste Wienerlied Festival am Sierndorfer Kellerberg war kein Abklatsch von Litschau, sondern hatte sofort eine eigene Handschrift: Wienerlied, Wein und Kellergasse – unplugged, ohne Beschallung, mit Freiluftbühnen. Die Gäste saßen zusammen, hörten zu, redeten, lachten. „Es war für uns wirklich beeindruckend, wie sich da alles gefügt hat. Wir haben Freunde aus Linz, die richten sich mittlerweile nach dem Festival ihren Urlaub. Das Gefühl dort ist genau das, was sie wollen. Das sagt eigentlich alles. Es ist authentisch, echt, analog und ungekünstelt“, erzählen Klaus und Patrick, die natürlich auch am Festival selbst musikalisch mitgewirkt haben.
Kein Licht, aber jede Menge Stimmung
Dass dabei nicht alles reibungslos lief, gehört fast dazu. Legendär war dann der Abend in der Chillout-Lounge nach dem ersten Festival: kein Licht weit und breit. „Beim Hingehen im Finstern ist mir eingefallen, worauf ich vergessen hab“, hat Roland gesagt – mit Humor haben es alle genommen. Heute sorgen mehrere Kilometer Lichterketten für Stimmung – damals war es letztlich egal. Die Atmosphäre war stärker als jede Technik.
Ein Festival, getragen von vielen
Was das Festival besonders macht, ist das Wir-Gefühl dahinter. Rund 180 Helfer, die Gemeinde als Partner, Vereine, Jung und Alt – getragen von einer gemeinsamen Begeisterung für das Wienerlied. Viele Besucherinnen und Besucher haben das Genre hier erst für sich entdeckt. Andere kommen aus ganz Österreich, um Wein und Gesang zu fröhnen, manche richten ihren Sommerurlaub danach. Nach dem offiziellen Programm wird oft weitergespielt – unterm Nussbaum, auf Bankerln, mit einem Glas Wein in der Hand und dem Duft der Sommernacht in der Nase.
Unkompliziert im Gefühl, professionell im Hintergrund
So unkompliziert das Gefühl am Sierndorfer Kellerberg ist, so viel Professionalität steckt dennoch dahinter: im Sommer 2026 werden nach rund drei Wochen Aufbauzeit 19 Gruppen auf zehn Bühnen das Wienerlied rocken. Gestartet wurde übrigens beim ersten Festival mit 16 Gruppen und noch mehr Bühnen. „Das langsam wachsen haben wir einfach ausgelassen“, lacht Roland.
Alt heißt nicht altmodisch
Das Wienerlied, ja das hatte lange den Ruf, verstaubt zu sein. Am Kellerberg zeigt sich allerdings das Gegenteil: alt heißt nicht altmodisch. Wie Blues, irischer Folk oder der Buena Vista Social Club lebt auch das Wienerlied davon, erlebt zu werden. Unplugged und mit viel Gefühl – und genau das leistet dieses Festival.
22. August 2026 – und die Geschichte geht weiter
Am 22. August 2026 ist es wieder so weit.
Wienerlied, Wein, Kellergasse – und dieses besondere Ahnung, dass hier etwas gewachsen ist, das man nicht erklären, sondern erleben muss.
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