Wo Wien, das Wald- und das Weinviertel auf einander treffen? Na am Wiener Zentralfriedhof natürlich, wo denn sonst?
Fotos © Regina Courtier
Wer in Wien auf der Suche nach echten Weinviertlern ist, sollte einen kleinen Abstecher zum Wiener Zentralfriedhof machen. Gleich beim 2er Tor, hinter der Straßenbahnstation der Linien 71 und 11, steht der Würstelstand „Eh scho wuascht“ von Patricia Pölzl. Dort werden feinste Würstel, ausschließlich aus dem Weinviertel kredenzt. Mit süßem oder scharfem Senf, Majo und/oder Ketchup – ganz nach Belieben.
Es lohnt sich immer, genauer hinzuschauen, vor allem dann, wenn man sich gerade heißhungrig einen vollmundigen Bissen bei einem Wiener Würstelstand in den Mund schiebt.
Patricia betreibt ihren Imbiss nun seit drei Jahren und ihr Ruf, konsequent auf Qualität zu setzen, eilt ihr voraus. „Mich hat immer gestört, dass man bei manchen Würstelständen nicht nachvollziehen kann, woher die Würstel überhaupt kommen. Ich wollte da Transparenz schaffen“, erklärt sie.
Der entscheidende Hinweis kam von Patricias Freundin aus Bad Pirawarth. Sie empfahl die Fleischhauerei Wild und damit war auch der perfekte Partner für den junge Würstelstandbesitzerin am Zentralfriedhof gefunden.



Würstel aus Gaweinstal und zwar richtig gute!
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Zu Stoßzeiten zieht sich die Menschenschlange bei „Eh scho wuascht“ bis zum Parkplatz – und niemanden stört’s. Schließlich will jeder die jüngste Würstelstandbesitzerin Wiens kennenlernen, mit ihr plaudern und eines dieser knackigen Schmankerln verspeisen.
Der Herkunftsnachweis der Wurstwaren hängt gut sichtbar aus. Die Zuchtbetriebe befinden sich im Weinviertel, verarbeitet wird in Gaweinstal bei „Wild“, der als absoluter Geheimtipp gilt.
Das seit 1868 familiengeführte Unternehmen Wild setzt auf regionale Viehzucht, eigene Schlachtung und vielfach goldprämierte Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Produktion.
Und für alle Wienerinnen und Wiener gilt: Man muss nicht erst durchs Weinviertel gondeln, um Wild-Spezialitäten zu verkosten. Eine Filiale befindet sich auch am Floridsdorfer Markt – oder besser noch, man besucht einfach Patricia beim 2er-Tor am Zentralfriedhof.






UNESCO & Würstelstandkultur
Patricia, geboren im Waldviertel und Absolventin des Tourismus-Management-Studiums an der FH Wien, entdeckte den leerstehenden Würstelstand eher zufällig. Geschäftstüchtig wie sie ist, erkannte sie sofort das Potential des kultigen Standorts und entschied spontan, das Abenteuer Würstelstand zu wagen.
2024 wurde die „Wiener Würstelstandkultur“ schließlich in das nationale UNESCO-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Auszeichnung durfte Patricia im Dezember 2025 gemeinsam mit ihren Kollegen Sepp Bitzinger und Rene Kachlier, entgegennehmen. „Wir sind sehr glücklich, Teil dieser jahrhundertealten Würstelstandkultur zu sein und freuen uns darauf, diese Tradition weiterführen zu dürfen“, zeigt sich Patricia Pölzl glücklich.



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