Ein Tag Wienerlied Festival – ein Jahr Planung – und ein ganzes Dorf hilft mit

Ein Tag Festival, ein ganzes Jahr Arbeit – und eine Gemeinschaft, die zusammenhilft.

Am Sierndorfer Kellerberg passiert genau das. Was im August am Wienerlied Festival im Weinviertel nicht nur perfekt organisiert wirkt, sondern auch ist, beginnt schon Monate davor. Im November mit den ersten Sitzungen, mit Gruppen, Terminen, Ticketpreisen, Ideen für Nebenveranstaltungen. Ein Großprojekt – organisiert von einem ganzen Dorf.

„Beim ersten Mal sind wir alle da gesessen und haben null Ahnung gehabt, was funktioniert und was nicht“, sagt Robert Berkovic. Heute verantwortet er Technik und Infrastruktur: zehn Bühnen, Stromversorgung, Gastrostände, Versorgungszelt, Verkehrskonzept, Behördenwege, Sicherheitsauflagen. All das muss nämlich auch mitgedacht werden.

Der eigentliche Start für das neue Festival beginnt aber noch viel früher: „Am Tag nach dem Festival starten wir mit dem Abbau und gleichzeitig mit dem Resümee: Was hat funktioniert, was nicht, wie bauen wir es nächstes Mal wieder auf?“

Dass das Zusammenspiel im Dorf so funktioniert, liegt auch daran, dass viele von Anfang an mitgezogen haben. Franz und Elfriede Gössl zum Beispiel. Mittlerweile in (Teil)pension, führten die beiden Jahrzehntelang ihren Fleischereibetrieb – und unterstützten auch Roland Sperk, Obmann der Landpartie am Kellerberg, und das gesamte Team mit Rat und Tat: „Am Anfang haben wir beraten, wir wissen ja, was man alles braucht für große Veranstaltungen. Jetzt sind wir allerdings schon mittendrin statt nur dabei“, sagen sie. Küche aufbauen, Essen ausgeben, eigene Produkte entwickeln – vom Festivalleberkäse bis zur gesamten Versorgung.

„Wenn wir die Gössls nicht gehabt hätten, hätten wir am Anfang nicht gewusst, wo wir vieles herbekommen“, sagt Robert. Und Franz ergänzt: „Wir sind zwar in Pension, aber von 1000 auf null geht nicht.“ Also wird auch im „Unruhestand“ weitergearbeitet. Weil der Sierndorfer Kellerberg einfach zu ihnen dazugehört.

Dieses Dazugehören zieht sich durch alle Ebenen. „Alle, die orangenes Leiberl haben, helfen ohne etwas daran zu verdienen – von jung bis alt.“ Die Kinder haben Spaß daran, die Getränke mit dem Bollerwagen anzubieten, die älteren Damen backen, andere wiederum stellen Schilder auf oder legen Strohpinkel auf, helfen beim Abwasch oder sind in die Vorbereitungen eingebunden.

„Was Sierndorf da zusammenbringt, schaffen andere Gemeinden nicht so leicht“, heißt es im Team. Unterstützt von Vereinen und Gemeinde, ohne großes Aufheben darum zu machen. Der Sportverein stellt Infrastruktur zur Verfügung, der Weinbauverein organisiert seine Leute selbst für die Ausschank, viele helfen einfach dort mit, wo sie gebraucht werden.

Auch die Landpartie selbst hilft wiederum bei anderen Veranstaltungen mit – Sportverein, Winzerkirtag. Ein Geben und Nehmen, wie Robert sagt.

In der Gastro wird dieses Zusammenspiel besonders sichtbar. Andrea Riedl organisiert, plant, koordiniert: Was wird gekocht, wie viel, wer übernimmt was. Chili, Linsensalat, gekocht bei der Familie Gössl, ausgegeben am Festival, davor und danach werden natürlich auch die Helfer versorgt.

„Wir sind vor dem ersten Festival ins kalte Wasser gesprungen“, sagt sie. Heute ist vieles eingespielt und macht dabei immer noch Freude. „Am meisten Spaß macht mir das Organisieren im Team. Wir kennen unsere Stärken.“ Und das merkt man.

Auch daran, wie mit Fehlern umgegangen wird. Ewa die 200 Boxen Zwiebel, die bestellt wurden. Ein Kommafehler. Heute ist das eine Geschichte, die man lachend erzählt. Beim zweiten Mal war die Kalkulation so genau, dass kaum etwas übrig blieb.

Oder das Wechselgeld: Anfangs 6.000 Euro in Münzen – viel zu wenig. Eine junge Frisören brachte ihr Trinkgeld vorbei, ein Kollege von Natascha Sperk fuhr zur nächsten Bank. Beim nächsten Mal hat das Team gelernt und 12.000 Euro lagen parat.

„Viele Dinge kommen eben anders als man plant“, sagt Wolfgang Riedl. Für ihn ist aber etwas anderes entscheidend: „Eines der schönsten Gefühle ist, wenn alle, die mithelfen, an einem Tisch sitzen – egal ob jung oder alt, alle verstehen sich, helfen einander und lernen voneinander.“ Genau das sei das Verbindende.

Rund 200 Menschen sind insgesamt beteiligt, etwa 180 direkt rund um das Festival. Viele haben sich nach dem ersten Mal freiwillig wieder gemeldet. Manchen Gästen gefiel der Teamspirit am Festival so gut, dass sie als Helfer wiederkommen wollten.

Ein Punkt, der immer wieder betont wird: wie wichtig die Helfer sind. „Jeder kann daher auch essen und trinken, so viel er möchte“, sagt Andrea Riedl. „Das ist es uns wert, denn es sind eben alle freiwillig hier und geben ihr Bestes.“

Natascha Sperk koordiniert vieles im Hintergrund: Hygieneschulungen, Green-Event-Auflagen, regionale Lieferketten, Abstimmungen, etwa für die Kuchengruppe. Daraus entstand auch die Geschichte mit dem Apfelstrudel: Beim ersten Festival hat Hermine, 86 Jahre alt, gebacken. Der Erfolg dieses Strudels war so groß, dass daraus nun ein Workshop entstanden ist. Vier bis fünf Leute lernen nun den perfekten Strudel direkt bei ihr. „Damit die Tradition weitergegeben wird“, sagt Natascha.

Dazwischen laufen Planung, Aufbau und Organisation weiter. Das Versorgungszelt steht schon Wochen vorher, die erste Basis ist damit gelegt.

Und dann ist plötzlich August.

Die Zahlen dazu:

  • rund 200 Mitwirkende, etwa 4.500 Stunden ehrenamtliche Arbeit (ohne Meetings)
  • 10 Bühnen, organisiert über Technik-, Verkehrs- und Sicherheitskonzepte
  • 1 Kilometer Lichterkette, 2,5 Kilometer Stromkabel – trotz „unplugged“
  • 120 Heurigengarnituren, 350 Strohpölster, 400 Liegestühle
  • rund 150 Sonnenschirme, gemeinsam organisiert
  • 1.700 Semmeln, 2.200 Portionen Essen, 360 Mehlspeisen
  • 350 Flaschen Wein, 1.100 Spritzer, 350 Liter Bier, 350 Liter Soda

Ein Tag Festival.
Ein ganzes Jahr Arbeit.
Und viele, die immer mitanpacken.

Sei dabei, wenn am 22. August das Wienerlied am Siernorfer Kellerberg zuhören ist. Alle Infos findest du hier!

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