Es gibt diese besonderen Orte bei uns im Weinviertel, die auf den ersten Blick recht unscheinbar wirken. In diesem Fall ein klassischer Reitstall, wie es doch einige bei uns in der Region gibt. In Tallesbrunn gibt so einen Stall, der bei genauerem Hinsehen viel mehr als nur das ist: und zwar ein Raum für Entwicklung, für Freundschaft, für eine Kindheit, wie sie sein soll. Der Ponyhof Nimmerland nennt sich dieser Ort.

Natürlich wird hier geritten – und das nicht zu knapp. Ausritte durch die Weinviertler Landschaft, konzentrierte Dressureinheiten, erste Sprünge, später Turniere und Prüfungen. Dazu Ferienlager, in der Gemeinschaft und Freundschaft ganz selbstverständlich entstehen. All das gehört dazu. Doch auf Nimmerland geht es um noch viel mehr: Mädchen dürfen hier wachsen. An den Pferden, an den Herausforderungen, an sich selbst – und aneinander.

Im Zentrum von all dem steht Kathy. Und wenn sie erzählt, wird schnell klar, dass ihr Weg zur Ponyhofbesitzerin alles andere als geplant war.

„Ich wollte eigentlich nie einen eigenen Stall führen“, sagt sie offen. „Mir war immer bewusst, wie viel Verantwortung das bedeutet.“
Und dann, vor etwa zehn Jahren, hat sich die Situation plötzlich ergeben. Gemeinsam mit ihrer damaligen Partnerin stand ein eigener Hof im Raum, mehrere Optionen wurden besichtigt – und letztlich fiel die Entscheidung auf den Hof in Tallesbrunn. Eine Entscheidung, die viel Mut verlangte und noch mehr Einsatz.

Denn der Anfang war geprägt von harter Arbeit. Der Reitplatz musste komplett neu angelegt werden. Rund 200 Zaunpfosten pro Koppel wurden eigenhändig mit dem Vorschlaghammer in den Boden getrieben. Auch im Stall selbst wurde vieles umgebaut, adaptiert, neu gedacht – und vor allem selbst gemacht.

Mit vier Pferden ist Kathy damals eingezogen. Schon im ersten Jahr kamen vier weitere dazu. Heute leben siebzehn Pferde am Hof, eine bunt gemischte Herde vom jungen, energiegeladenen Nachwuchspferd bis hin zur alten „Oma“, die ihren fixen Platz in der Gemeinschaft hat und die jüngsten Reiterinnen durch die ersten Stunden trägt.

Parallel dazu ist Nimmerland zu einem wichtigen Ort geworden.

Für viele der Mädchen geht es dort längst nicht mehr nur um Reitstunden. Nimmerland ist ein zweites Zuhause geworden. Ein Ort, an dem sie nicht bewertet werden, an dem sie nicht funktionieren müssen und an dem sie sich ausprobieren dürfen – mit all ihren Stärken, Unsicherheiten und Eigenheiten.

Interessanterweise sind es gerade jene Kinder und Jugendlichen, die als „schwieriger“ gelten, die Kathy besonders am Herzen liegen.
„Mit ihnen tue ich mir oft am leichtesten“, sagt sie. „Ich muss keine Elternrolle einnehmen, das macht vieles einfacher.“

Was daraus entsteht, ist eine besondere Form der Beziehung: geprägt von Vertrauen, Offenheit und Respekt. Kathy ist Trainerin, Begleiterin, manchmal auch einfach jemand, der zuhört. Für viele wird sie zu einer wichtigen Bezugsperson.

Ihr Zugang zum Unterricht ist dabei bewusst abwechslungsreich gestaltet. Keine Einheit gleicht der anderen. Statt starrer Abläufe setzt sie auf Vielfalt: viel Ausreiten, viel Bewegung, viel Springen, immer wieder neue Impulse. Der spielerische Zugang ist ihr dabei genauso wichtig wie das Vermitteln von Können und Sicherheit.

„Überraschung ist eigentlich mein Konzept“, sagt sie und lacht.

Und genau diese Mischung macht den Unterschied. Denn die Kinder lernen hier nicht nur den Umgang mit Pferden, sondern auch viel über sich selbst.

Sie erfahren, dass nicht jede Übung auf Anhieb gelingt.
Dass es völlig in Ordnung ist, Fehler zu machen.
Dass Verlieren Teil des Ganzen ist – und kein Grund, aufzugeben.
Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, sich auf andere einzustellen und Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Die Pferde spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie reagieren unmittelbar, ehrlich und ohne Wertung. Gleichzeitig ist es aber auch das soziale Umfeld im Stall, das diese Entwicklung möglich macht – das Miteinander, das Mithelfen, das gemeinsame Erleben.

Unterstützt wird Kathy von einem engagierten Team. Kolleginnen übernehmen einen Teil der Reitstunden, insbesondere mit den jüngeren Reiterinnen und Reitern, und bringen ihre eigenen Schwerpunkte ein. Und dann ist da noch ihre Mama Karin, die „Stalloma“. Sie hält im Hintergrund vieles am Laufen, kümmert sich um die Buchhaltung und sorgt vor allem während der Reitlager dafür, dass es an nichts fehlt – ganz besonders nicht an gutem Essen.

Auch Kathy selbst entwickelt sich ständig weiter. Sie ist im Kader für Mounted Games aktiv und nimmt regelmäßig – etwa einmal im Monat – an Trainings teil, gemeinsam mit ihrem Pferd. Stillstand gibt es hier nicht.

„Langweilig wird mir sowieso nie“, sagt sie. „Aber manchmal ist es schon viel.“
Sie überlegt kurz und fügt dann hinzu: „Ich würde trotzdem nichts anders machen.“

Vielleicht liegt genau darin die besondere Qualität dieses Ortes.

Nimmerland ist zu einem Ort geworden, der für viele Kinder und Jugendliche eine große Bedeutung hat.

Ein Ort, der ein Stück weit außerhalb des Alltags liegt.
Ein Ort, an dem man einfach sein darf.
Und einer, zu dem man – egal wie alt man ist – immer wieder gerne zurückkehrt.

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