Wenn das Land zur Leinwand wird

Impressionen von den Tagen der offenen Ateliers 

 1.000 Kunstschaffende, 245 Orte, 50.000 Künstler. Doch was sagen schon schnöde Zahlen, wenn es um Kreativität geht? Die niederösterreichischen Tage der offenen Ateliers sind die perfekte Gelegenheit, sich eine geballte Dosis bildender Kunst zu gönnen. Alles, was man braucht, ist ein Plan, ein bisschen Zeit – und die Lust, einzutauchen. In die Vielfalt von Farben und Formen, die ganz Niederösterreich an diesem Wochenende bietet. 

Antonio Zapata, Galerie Nordweg © Ulrike Potmesil
Antonio Zapata, Galerie Nordweg © Ulrike Potmesil
Antonio Zapata, Galerie Nordweg © Ulrike Potmesil
Antonio Zapata, Galerie Nordweg © Ulrike Potmesil

Ganz Niederösterreich in zwei Tagen zu schaffen, ist wohl utopisch – aber ein paar Ateliers und Galerien gehen sich aus, wenn man die Herausforderung annimmt. Mich hat es diesmal an das südöstliche Ende des Weinviertels verschlagen, ins Marchfeld, genauer gesagt nach Engelhartstetten – in die Galerie Nordweg. Und die ist, mitten in der Tausend-Künstler-Fülle des Landes, ein echtes Highlight. 

Da ist mal der Galerist. Günter Skocek, seines Zeichens pensionierter Landwirt, begnadeter Künstler und gesellschaftskritisch Denkender: „Meine Kunst ist nicht gefällig, nicht idyllisch. Sie ist Kampfzone.” Demenentsprechend transportieren viele seiner Werke politische Botschaften, darüber hinaus malt er großformatige Porträts und Szenen aus der – historischen – Landwirtschaft.  

Dann die Galerie Nordweg selbst: moderne Holzarchitektur, schlicht, leicht, lichtdurchflutet. Skocek hat aus ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäuden etwas Überraschendes geschaffen – eine Galerie, die seiner Kunst nicht nur Raum, sondern Bedeutung gibt. Und die zugleich anderen Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne bietet. 

Damit sind wir bei der nächsten Besonderheit: In Zusammenarbeit mit dem Wiener Galeristen Joe Lindengrün zeigt die Galerie Nordweg Werke internationaler und nationaler Kunstschaffender. Bei den Tagen der offenen Ateliers waren dies die Österreicher Leonora Fluri, André Heidegger, Gerhard Koch, Bernd Mathias, Christoph Potmesil, Martin Reiter und Georg Steiner – sowie der Franzose Jean Claude Breat, der Kolumbianer Antonio Zapata und der Berliner Ira Kane. Zudem sorgte die erst achtjährige Leonie Reiter mit ihrem virtuosen Violinspiel für Begeisterung. Die talentierte Marcheggerin hat bereits internationale Preise gewonnen – und überzeugte mit Musikalität und Gefühl auf der Bühne. 

Und schließlich: Die Tage der offenen Ateliers haben mich diesmal nicht als Journalistin angelockt – zumindest nicht vorrangig. Ich war in der Galerie Nordweg, um die kreative Atmosphäre zu genießen, gute Freunde zu treffen, interessante Menschen kennenzulernen und – das Wichtigste zum Schluss – um meinen Mann in meiner Funktion als Künstlergattin und -managerin zu begleiten und die Huldigungen an den Künstler live mitzuerleben. 

Die Ausstellung in der Galerie Nordweg kann noch am Sonntag, 26. Oktober und Sonntag, 2. November, jeweils von 15 bis 18 Uhr, besichtigt werden. 

Galerie Nordweg 

Gussastraße 3 

2292 Engelhartstetten 

www.guenterskocek.at 

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