Was euch beim Wienerlied Festival in Sierndorf 2026 erwartet: Vier Gruppen im Porträt

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Zehn Naturbühnen, 18 Musikgruppen und rund 60 Musikerinnen und Musiker: Am 22. August 2026 wird der Sierndorfer Kellerberg wieder zum Treffpunkt für alle, die das Wienerlied nicht nur hören, sondern in seiner ganzen Vielfalt erleben möchten. Zwischen Weingärten, Presshäusern und Kellergewölben begegnen einander Tradition und Experiment, alte Bekannte und junge Stimmen. Wir zeigen nun vier der auftretenden Gruppen, die beweisen, wie viele Seiten dieses Genre hat.

Die wichtigsten Informationen zum Wienerliedfestival 2026

Das Wienerliedfestival der Landpartie am Kellerberg findet heuer erstmals an zwei Tagen statt. Der Festivalauftakt mit den 16er Buam & Friends am Freitag, 21. August, ist bereits ausverkauft. Für den großen Festivaltag am Samstag, 22. August 2026, sind noch Karten erhältlich.

  • Ort: Natur- und Kulturarena Sierndorfer Kellerberg, Sierndorf an der March
  • Samstag, 22. August 2026: 11 bis 23 Uhr
  • 11 Uhr: Wienerlied-Matinee im Casino
  • 13 Uhr: offizielle Eröffnung; anschließend spielen 18 Gruppen auf zehn Naturbühnen
  • Abends: Kellerberg-Remasuri mit Musik und Wienerlied-Karaoke
  • Festivalpass Samstag: 43 Euro, ermäßigt 38 Euro
  • Kinder und Jugendliche: bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres freier Eintritt
  • Wichtig: Die Tickets sind limitiert und ausschließlich im Vorverkauf erhältlich. Es gibt keine Tageskassa. Das Festival findet bei jedem Wetter statt.

Tickets gibt es im offiziellen Ticketshop sowie telefonisch unter 0664/73 25 57 12. Alle Details zu Ermäßigungen und Preisen finden sich in der Ticketinformation. Der aktuelle Ablauf ist im Musikprogramm abrufbar.

Bereits am Vormittag lässt sich der Festivalbesuch mit dem Programm „Rund umadum – bei uns daham“ verbinden. Angeboten werden unter anderem Kellergassenführungen, Wanderungen und Weinverkostungen. Ab 11 Uhr beginnt die Matinee beim Casino, um 13 Uhr eröffnen die Sierndorfer Kellerschwalben offiziell das Festival. Danach wird unplugged musiziert – nicht auf einer großen, abgeschirmten Bühne, sondern an vielen kleinen Orten mitten im Kellerberg. Genau diese Nähe prägt die Landpartie. Und sie passt zum Wienerlied, das seine Geschichten schließlich nie aus großer Distanz erzählt hat.

Wie unterschiedlich diese Geschichten heute klingen können, zeigen uns hier in diesem Artikel Die Strottern, Kollegium Kalksburg, Stubenfliege und die Bravour Schrammeln.

Die Strottern: Kein fixes Programm, sondern ein Zusammenspiel

Klemens Lendl und David Müller begleiten die Landpartie seit ihren Anfängen. Als Die Strottern haben sie in den vergangenen drei Jahrzehnten entscheidend dazu beigetragen, das Wienerlied aus einer vermeintlich verstaubten Ecke zu holen – mit Violine, Gitarre, zwei Stimmen und einem feinen Gespür für das, was zwischen Lied und Publikum geschieht.

2026 feiern Die Strottern ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Dass sie dieses Jubiläum auch am Sierndorfer Kellerberg begehen, ist kein Zufall. Klemens Lendl schätzt Veranstaltungen, die Kultur dorthin bringen, wo sie nicht ohnehin ständig stattfindet. „Wir freuen uns immer, wenn ein paar Wahnsinnige sich ein Kulturevent einbilden und das auch durchziehen“, sagt er über das Team der Landpartie. Roland habe ihnen das Festival schmackhaft gemacht – und die Idee sei gut aufgegangen.

Besonders reizvoll sind für das Duo die sehr unterschiedlichen Spielorte. Jede Bühne am Kellerberg hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Akustik. Rückmeldungen der Musiker seien vom Organisationsteam bisher rasch aufgenommen worden, erzählt Lendl. Noch wichtiger ist den Strottern aber das unmittelbare Gegenüber: Sie kommen mit einem ungefähren Plan, jedoch ohne starres Programm. Welche Lieder tatsächlich erklingen, entscheidet sich auch aus der Stimmung heraus.

„Eigentlich ist es immer ein Zusammenspiel mit dem Publikum“, sagt Lendl. Über 30 Jahre hat sich ein großes Repertoire angesammelt, aus dem die beiden schöpfen können. Dazu kommt neues Material: Die Strottern haben eine neue Platte aufgenommen und werden daraus auch beim Wienerliedfestival etwas präsentieren.

Nur wegen einer Gage aufzutreten, käme für Klemens Lendl und David Müller ohnehin nicht infrage. Entscheidend seien die Menschen und eine gemeinsam verbrachte gute Zeit. Solche Orte zu schaffen, sei heute wichtiger denn je, sagt Lendl. Am Kellerberg finden sie dafür keine schlechte Bühne – oder vielmehr gleich zehn davon.

Die Strottern: Klemens Lendl (Gesang und Violine), David Müller (Gesang und Gitarre)

Kollegium Kalksburg: Jubiläum zwischen Jux, Tollerei und großer Musikalität

Auch Kollegium Kalksburg feiert 2026 sein 30-jähriges Bestehen. W. V. Wizlsperger, Paul Skrepek und Heinz Ditsch bewegen sich seit 1996 zwischen altem Wienerlied, Dialektdichtung, musikalischem Eigensinn und einer Bühnenpräsenz, für die das Wort „unkonventionell“ beinahe zu ordentlich klingt. Gesungen und gespielt wird unter anderem mit Kontragitarre, Akkordeon, Baritonhorn, Kamm, Percussion und singender Säge.

Ein einziges großes Jubiläumskonzert gibt es nicht. Das Kollegium feiert, wie Heinz Ditsch es ausdrückt, das ganze Jahr über „um und auf“. Begonnen wurde beim Festival „wean hean“ im Schutzhaus Zukunft – jenem Ort, an dem das Trio vor 30 Jahren sein erstes Konzert gab. Dort spielten die Musiker noch einmal dasselbe Programm wie damals; sogar einige „Ohrenzeugen“ von 1996 waren dabei. Enden soll das Jubiläumsjahr am 25. Dezember beim traditionellen Saisonabschluss im Wiener Porgy & Bess. Und dazwischen ist selbstverständlich auch Sierndorf mit von der Partie.

Die Verbindung ins Weinviertel ist eine persönliche: W. V. Wizlsperger stammt aus Wolkersdorf, Heinz Ditsch bezeichnet sich selbst als „Ollersdorfer Kellerstöcklhocker“. Beide freuen sich darauf, in der Region alte Freunde wiederzutreffen.

Als Kollegium Kalksburg vor drei Jahrzehnten damit begann, in der Tradition von H. C. Artmann, André Heller oder Helmut Qualtinger Dialekttexte zu vertonen, schien die Zukunft des Wienerlieds keineswegs gesichert. Musiker wie Karl Hodina, Roland Neuwirth, Rudi Koschelu oder Walter Soyka hielten das Genre lebendig. Später schufen Institutionen und Festivals neue Auftrittsmöglichkeiten – und mit ihnen entstand eine Szene, in der heute traditionelle, experimentelle und poppige Zugänge nebeneinander bestehen.

Diese Entwicklung ist für Ditsch eine Bereicherung der österreichischen Musiklandschaft. Festivals wie jenes in Sierndorf würden maßgeblich dazu beitragen, diese „Wienerliedmelange“ am Leben zu erhalten. Ein Auftritt in der Natur bringt freilich nicht nur Romantik mit sich. Regen und Hitze lassen sich schlechter regeln als die Temperatur in einem Konzertsaal. Dafür entstehen Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen, Gespräche in den Pausen und eine besondere Nähe zum Publikum. Außerdem können die Gäste an einem einzigen Tag auch Gruppen entdecken, die sie bisher nicht kannten. Und einen Punkt möchte Heinz Ditsch bei all dem keinesfalls vergessen wissen: den Wein.

Kollegium Kalksburg: W. V. Wizlsperger (Gesang, Kamm und Baritonhorn), Paul Skrepek (Kontragitarre, Gesang und Percussion), Heinz Ditsch (Akkordeon, singende Säge und Gesang)
www.kollegiumkalksburg.at

Stubenfliege: Wenn das Wienerlied mit dem Jazz flirtet

© wirlphoto

Zwischen zwei Formationen mit 30-jähriger Bühnengeschichte steht mit Stubenfliege ein junges niederösterreichisches Trio. Eva Stubenvoll, Laurenz Hacker und Mathias Pfeiffer haben einander während ihrer musikalischen Ausbildung in Wien gefunden. In ihrer Musik verbinden sie Dialekt, Wienerlied und Jazz – nicht als dekorative Mischung, sondern über gemeinsame Grundhaltungen.

Für Eva Stubenvoll muss das Wienerlied vom Alltag erzählen. Es soll Lebensrealitäten sichtbar machen, authentisch sein und Gefühle transportieren – im Text ebenso wie im Gesang und in der Instrumentalmusik. Genau darin sieht sie auch die Verbindung zum Jazz: Beide Musikformen leben von Emotion und Kommunikation.

„Schmäh, Authentizität, Emotionen“ sind für sie die gemeinsamen Nenner zwischen traditionellen Wienerliedern und dem moderneren Klang von Stubenfliege. Das eine muss das andere nicht verdrängen. Im Gegenteil: Gerade unter jungen Musikerinnen und Musikern gebe es viel Austausch und Zusammenarbeit. Eva Stubenvoll schätzt am Programm in Sierndorf, dass es offen für neue Zugänge ist und zugleich die alten Traditionen ernst nimmt.

Der Auftritt im Weinviertel schließt für die Band einen Kreis. Alle drei stammen aus Niederösterreich, haben sich aber in Wien musikalisch zusammengefunden. Für Eva Stubenvoll verbindet das Wienerliedfestival damit Herkunft und Wahlheimat. Als Weinviertlerin denkt sie bei der Region an viele Erinnerungen aus Kindheit und Jugend – auch wenn Heimat für sie weniger ein bestimmter Ort als ein Gefühl ist.

Gespannt ist das Trio auf den Unplugged-Auftritt. Kleine Bühnen und die Nähe zu den Menschen sind Stubenfliege vertraut, denn ihr Liveprogramm lebt von der Reaktion des Publikums. Ohne Verstärkung zu spielen, ist für die drei hingegen noch relativ neu. Gerade darin könnte eine besondere Stärke liegen: Stimme und Klang kommen schließlich aus dem Menschen und nicht aus dem Mikrofon. In der Natur könnten die Emotionen dadurch noch unmittelbarer ankommen.

Stubenfliege: Eva Stubenvoll (Gitarre und Gesang), Laurenz Hacker (Gesang, Kontrabass und Gitarre), Mathias Pfeiffer (Gesang und Percussion)
www.stubenfliege-musik.at

Bravour Schrammeln: Tradition wächst am besten, wenn man sie nicht verordnet

Foto: Stephan Mussil

Die Bravour Schrammeln sind heuer erstmals am Sierndorfer Kellerberg zu hören. Hinter dem klassischen Schrammelquartett stehen zwei Ehepaare: Peter und Monika Uhler an den Violinen sowie Maria und Helmut Stippich mit Kontragitarre und Schrammelharmonika.

Die Stippichs gehören seit dem ersten Wienerliedfestival zum Programm. Helmut Stippich erinnert sich vor allem daran, wie stark der ganze Ort die Veranstaltung mitträgt. Sierndorf werde geschmückt, das Festival sei überall präsent und die Musikerinnen und Musiker würden mit großer Herzlichkeit empfangen. Dazu kommen die Begegnungen mit anderen Kunstschaffenden und dem Publikum. Aus einem zunächst neuen Spielort wurde so rasch ein Platz, an den die Familie gerne zurückkehrt.

Mit Peter und Monika Uhler verbindet die Stippichs eine lange musikalische Geschichte. Helmut Stippich zählt die beiden zu den besten Schrammelgeigern Wiens. Beim Festival können die vier daher aus dem Vollen schöpfen – und bringen zugleich Musik mit, die nur selten zu hören ist.

Anlass dafür ist ein Geburtstag: Der Wiener Volksmusiker Josef Mikulas wäre heuer 140 Jahre alt geworden. Die Bravour Schrammeln haben sich intensiv mit seinem Werk beschäftigt und besondere Stücke sowie Bearbeitungen ins Programm aufgenommen. Damit holen sie ein Repertoire hervor, das zur Geschichte der Wiener Volksmusik gehört, auf heutigen Bühnen aber kaum noch erklingt. Daneben sind auch Eigenkompositionen zu hören.

Bei den Familien Stippich und Uhler bleibt die Musik nicht auf die vier Erwachsenen beschränkt. Auch die Kinder sind miteinander musikalisch aufgewachsen. Cäcilia spielt Violine, David die hohe G-Klarinette – das sogenannte „picksüße Hölzl“ – und Marielena Cello. Ob sie später bei dieser Musik bleiben oder ganz andere Wege wählen, muss heute niemand entscheiden. Für Helmut Stippich liegt gerade darin eine natürliche Weitergabe von Tradition: Sie wird nicht verordnet. Die nächste Generation wächst ganz selbstverständlich hinein.

Vielleicht erzählt kaum ein Bild besser, worum es beim Wienerliedfestival geht. Das Wienerlied wird am Kellerberg nicht unter eine Glasglocke gestellt. Es wird gespielt, verändert, weitergegeben und mit anderen Einflüssen verbunden. Die Bravour Schrammeln tun das mit selten gehörtem Repertoire und familiärer Musiziertradition, Stubenfliege mit Jazz und neuen Dialektliedern, Kollegium Kalksburg mit eigensinnigem Humor und Die Strottern im direkten Zusammenspiel mit dem Publikum.

Bravour Schrammeln: Peter und Monika Uhler (Violine), Maria und Helmut Stippich (Kontragitarre und Schrammelharmonika)
www.weinuhler.at | www.stippichs.com

Ein Kellerberg, viele Wienerlieder

Wer am 22. August durch die Kellergassen zieht, muss sich also nicht zwischen dem „echten alten“ und einem „neuen“ Wienerlied entscheiden. Beides gehört zusammen – samt all den Zwischentönen. Das Festival macht diese Vielfalt hörbar und schafft zugleich etwas, das mehrere der Musiker in den Gesprächen hervorheben: einen Ort für Begegnungen.

Zwischen den Bühnen bleibt Zeit zum Weiterziehen, Zuhören, Verkosten und Reden. Vielleicht entdeckt man dabei eine Gruppe, die man später in einem Wiener Konzertsaal wiederhört. Vielleicht bleibt ein selten gespieltes Stück von Josef Mikulas im Ohr. Oder ein neues Lied der Strottern. Sicher ist nur: Der Kellerberg wird an diesem Samstag nicht still bleiben.

Weitere Informationen zum Festival: www.landpartie-kellerberg.at

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