Eine Stimme, die Geschichten trägt

Beitragsbild: © Heike Hummel

Ihre Stimme kennt keine Ausflüchte. Sie klingt nicht laut, um wichtig zu sein, oder sanft, um zu gefallen. Sie klingt klar und ehrlich. Seit Jahrzehnten begleitet diese Stimme Österreichs Alltag: morgens, nachts, beiläufig, verlässlich. Für alle, die zuhören wollen. Denn kaum jemand ist so präsent und zugleich so unsichtbar wie sie. Angelika Lang ist Sprecherin. Und das nicht nur jahrzehntelang für den ORF, sondern quer durch die Rundfunkgeschichte des Landes.

Am Arbeitsgerät – am Mikrofon. © privat

Begonnen hat die Weinviertlerin ihre Karriere in den Achtzigerjahren bei Ö3. Zu einer Zeit, als Radio noch nicht durchformatiert war. „Wir waren die jungen Wilden“, erinnert sie sich. „Und ich hatte das Glück, damals anzufangen, als wir noch viele Freiheiten hatten.“ Eine davon hieß Nachtexpress: ein Format jenseits der Prime Time, offen für Underground, New Wave und alles, was tagsüber keinen Platz hatte. Kreativ und rebellisch sei die Zeit gewesen, sagt sie heute. Ihre Stimme für Dokus und Voice Overs einzusetzen, war die Idee von Produzenten wie Rudolf Dolezal und Hannes Rossacher. Namen, die damals wie heute für Pop-Attitüde stehen. Knapp ein Jahrzehnt später schrieb sie mit dem damaligen Musicbox-Redakteur Martin Blumenau das Konzept für einen neuen Radiosender und brachte ihn – selbst hochschwanger – am 16. Jänner 1995 zur Welt: Mit dem Titel Sabotage von den Beastie Boys und dem Satz „So klingt das, wenn das Herz von FM4 zu schlagen beginnt“ prägte sie den ersten Moment. Und mit dem mittlerweile legendären Kaugummi, dessen sie sich in letzter Sekunde entledigte, bevor ihre Moderation on air ging. Beides: Längst viral gegangene Radiogeschichte. Es folgten weitere Stationen: zurück zu Ö3, später zu Radio Wien und immer wieder auch Ö1.

Der legendäre Moment – als FM4 erstmals auf Sendung ging. © FM4


Zu hören ist Angelika Lang auch im Fernsehen. Nur zu hören. „Ich sag immer, ich hab ein gutes Radiogesicht“, lacht sie. So sprach sie etwa ORF-Promotionsspots. Stimmtraining unter Hochdruck. „Man wechselt thematisch irrsinnig schnell zwischen Trailern für Krimis, Shows, ZIB-Specials, Sportevents und Rosamund-Pilcher-Romanzen. Staccato, im Akkord.“ Als Kommentar-Sprecherin ist sie dem ORF-Publikum bestens vertraut. Ob Thema, Kulturmontag, Weltjournal oder Report, ihre Stimme war fixer Bestandteil österreichischer Wohnzimmer. Klangvoll sei sie, sagen Hörerinnen und Hörer. Und sie selbst? „Ich habe das Glück, eine Stimme von meiner Mutter geerbt zu haben, die viele als angenehm empfinden. Am Telefon klingen wir tatsächlich genau gleich.“

Mit Respekt vor der Geschichte


Tatsächlich lässt sie sich nur bedingt beschreiben. „Zuhause klingt sie jedenfalls anders als im Studio“, verrät sie. Mezzosopran, Stimmalter 25 bis 45 Jahre, mittlere Lage, Dialekt Wien – so lautet die professionelle Kurzfassung auf der Website der österreichischen Sprecherplattform VOICE. Dass ihre Stimme darüber hinaus als eine der besten des Landes gilt, lässt sich jedoch nicht in Kategorien festmachen, sondern zeigt sich dort, wo Technik auf Persönlichkeit trifft. Für sie ist sie vor allem eines: ein Arbeitsmittel. Eines, das trainiert und geschärft wurde. Denn wer spricht, muss Betonungen setzen, Bögen bauen, Zäsuren beherrschen. In der Praxis gehe es jedoch um mehr. Darum, sich in den Dienst der Geschichte zu stellen. „Ich inszeniere mich nicht selbst, sondern rücke den Text in den Fokus.“ Deshalb bereitet sie sich sorgfältig vor, arbeitet konzentriert. „Ich habe Respekt vor dem zu Erzählenden.


Dabei passt Lang ihre Stimme nicht dem Inhalt an, es ist umgekehrt. „Die Geschichte gibt den Ton vor. Lässt man sich auf sie ein, passiert das automatisch.“ Entscheidend sei, innerlich bei dem zu sein, was man erzählt. „Es muss wahrhaftig sein. Die Stimme lügt nicht“, ist sie überzeugt. Ihr Klang steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Stimmung der Sprecherin oder des Sprechers. „Unter Druck steht uns nicht die ganze Bandbreite zur Verfügung. Das kennen wir alle — die Stimme klingt dann im wahrsten Sinn gepresst.“ Als Profi ist sie darin geübt, sich Anspannung nicht hörbar anmerken zu lassen. Und doch weiß sie: Die Stimme bleibt unberechenbar. Am nächsten Tag kann sie anders tragen, anders reagieren, auch darin liegt ihre Einzigartigkeit. Deshalb, ist Lang überzeugt, könne sie nicht von künstlicher Intelligenz ersetzt werden: „Auch wenn eine KI-generierte Stimme noch so perfekt klingen mag, stellt sich beim Zuhören unterschwellig Unbehagen ein.” Vielleicht nicht sofort erklärbar, aber präsent. „Es fehlt das Momentum, das, was uns Menschen ausmacht, eben nicht perfekt zu sein, nicht durch Muster berechenbar.“ Deshalb werde man auch künftig auf das Bestmögliche, das Erzählen mit menschlicher Stimme, setzen.Deren Einzigartigkeit ist zugleich Herausforderung. Die Stimme ist wie ein Instrument – mit dem Vorteil, sie immer bei sich zu tragen. Ohne Koffer. Ohne Ersatz. „Ich kann sie mir nicht wie eine Gitarre aussuchen“, meint sie mit einem Lächeln. „Und wenn sie einmal beschädigt ist, lässt sie sich nicht einfach austauschen.“ Also passt sie auf ihr Instrument auf. Wie? „Am besten nie einen Schnupfen ausfassen. Nein, im Ernst: Das Wichtigste ist, auf sich selbst zu achten.“ Verantwortung endet für sie nicht am Studiomikrofon. Jede Begegnung, jede Interaktion wirke weiter. „Wenn ich auf mich aufpasse, auf die Menschen in meinem Umfeld, auf alles, was lebt und leben will, auf Tiere und Umwelt, ist das für mich stimmig.“ Apropos Tiere: Angelika Lang ist Katzenfan. In ihrem Haus im Weinviertel leben derzeit vier ehemalige Streuner. „Nicht du suchst sie aus, sie suchen dich aus“, schmunzelt sie. Ihr Liebling ist der „Kommunikater“. „Der heißt so, weil er ständig den Schlapfen offen hat, und wenn ich mit ihm rede, versteht er mich. Nicht die Worte, sondern meine Stimmung.“

Legendäre Stimme: Angelika Lang. © ORF Wien
Legendäre Stimme: Angelika Lang. © ORF Wien

Seit über zehn Jahren lebt sie wieder im Weinviertel, dort, wo sie einen prägenden Teil ihrer Kindheit verbracht hat. Als überzeugte Städterin studierte sie an der Universität Wien Germanistik, Französisch und Theaterwissenschaften, genoss privat wie beruflich die Vorteile der Großstadt. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass es jetzt langsam wieder Zeit wird für mehr Ruhe“, sagt sie. Die Ruhe zwischen den Terminen. Die Natur vor dem Fenster, die Unmittelbarkeit der Jahreszeiten oder die Selbstverständlichkeit, einander zu grüßen. Das alles liebt sie am Landleben.
Und sie liebt Musik. Als Jugendliche lernte sie Tenorsaxofon und Klavier, sang in verschiedenen Chören. „Klavier spiele ich immer noch. Ab und zu.“ Und welche Musik hört jemand, der mit Ö3, FM4 und Ö1 verbunden wird, privat? „Alles, was mich berührt“, überlegt sie kurz. „Das lässt sich weder in Genres noch in Worte fassen, weil Musik eine eigene Sprache spricht. Und auch hier wieder: „Manches mag perfekt komponiert oder interpretiert sein, trotzdem löst es in mir nichts aus.“ Das gilt auch für Sprechstimmen.

Seit den Achtzigerjahren stimmlich im Eiinsatz: Angelika Lang. © privat


Und wie ist das mit ihrer eigenen Stimme? Sie rollt lachend die Augen. „Da geht es mir wie den meisten Menschen. Mich selbst auf Aufnahmen zu hören, war mir lange Zeit extrem unangenehm.“ Sie musste lernen, sich zuzuhören. „Wenn man an sich arbeiten will, bleibt einem nichts anderes übrig. Man muss sich selbst Feedback geben.“ Mittlerweile hat sie sich daran gewöhnt, kann abstrahieren und hört sich aus der Perspektive der Kritikerin, versucht, sich technisch zu verbessern, bei Modulationen etwa. „An dieser Stelle hättest du runtergehen müssen“, sagt sie dann zu sich selbst. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Respekt vor dem, was erzählt wird, denn im Zentrum steht für Angelika Lang nie die Stimme. Sondern die Geschichte.

Die Story ist auch im Printformat zu lesen: Im „Schaufenster“ Kultur.Region – holt sie euch gerne im Büro der Kulturvernetzung NÖ.

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