Zwischen Gangstern, Glamour und Verwechslungen: „Gasparone“ erobert Schloss Wilfersdorf

Wenn im Sommer auf Schloss Wilfersdorf Operettenklänge durch den Schlosshof hallen, dann ist das längst mehr als nur Tradition. Mit der diesjährigen Produktion von Carl Millöckers „Gasparone“ setzt das Schlossfestival erneut auf eine Mischung aus großer Operettenkunst, mutigen Neuinterpretationen und einer ordentlichen Portion Unterhaltung.

Beim Pressefrühstück zur kommenden Produktion wurde schnell klar: Hier entsteht keine klassische „Gasparone“-Inszenierung, sondern eine frische, temporeiche Version mit viel Witz, Verwirrung und überraschenden Ideen.

Gregor Sommer, Gesamtleiter des Schlossfestivals, betonte, dass die Gemeinde von Anfang an hinter dem Projekt gestanden sei. Gerade in Zeiten, in denen Operette immer stärker zum Nischenprodukt werde, liege darin auch eine große Chance. „Dadurch bekommt Wilfersdorf ein echtes Alleinstellungsmerkmal“, so Sommer. Ziel sei es, bekannte und weniger bekannte Stücke bewusst zu mischen.

Mit „Gasparone“ greift das Festival heuer bewusst zur „goldenen Operettenära“. Während Millöckers bekanntestes Werk wohl „Der Bettelstudent“ sei, eigne sich „Gasparone“ perfekt für eine neue Richtung. „Manche Stücke kann man nicht toppen – man kann nur die Richtung wechseln“, erklärte Sommer.

Und genau das passiert in Wilfersdorf.

Little Italy statt Sizilien

Ursprünglich spielt die Geschichte in Sizilien, doch die Wilfersdorfer Produktion verlegt das Geschehen ins New York der 1920er Jahre – mitten hinein in ein atmosphärisches „Little Italy“ voller Gangsterflair, Schmuggelgeschichten und zwielichtiger Figuren.

Regisseur Richard Schmetterer beschreibt die Handlung als großes Verwirrspiel: „Alle geben sich als Gasparone aus. Jede und jeder könnte Gasparone sein.“ Genau daraus entstehe der Reiz der Geschichte. Das Publikum beginne irgendwann bei jeder Figur zu rätseln, wer tatsächlich hinter dem geheimnisvollen Namen steckt.

Es gehe um Menschen, die etwas sein wollen, was sie eigentlich nicht sind. Um Täuschung, falsche Identitäten, Machtspiele und Intrigen – aber vor allem auch um großen Spaß. Schmetterer spricht augenzwinkernd von einem „persönlichen Cluedo“ für das Publikum.

Eine Operette mit überraschend viel Tiefgang

Dass „Gasparone“ trotz aller Leichtigkeit stellenweise fast opernhafte Züge annimmt, sieht das Team nicht als Hindernis, sondern als spannende Herausforderung. Gerade die Frauenrollen seien außergewöhnlich stark und würden der Produktion zusätzliche Dynamik verleihen.

Besonders interessant dabei ist: Operetten existiert oft nicht „die eine“ endgültige Fassung. Deshalb entschied sich das Team bewusst dazu, eine eigene Version zu entwickeln. Gregor Sommer erzählt dazu schmunzelnd: „Ich hab mir eingebildet, ich will ein bisschen eine andere Fassung spielen.“

Die Besetzung wurde dabei bewusst kompakter gehalten – mit dem Vorteil, dass die einzelnen Darstellerinnen und Darsteller umso mehr Raum bekommen, ihre Rollen auszuspielen.

Humor, Herz und große Operettenmomente

Das Schlossfestival Wilfersdorf setzt seit Jahren auf eine Mischung aus musikalischer Qualität, Humor und sommerlicher Leichtigkeit. Auch „Gasparone“ soll genau das verbinden: eingängige Melodien, rasante Dialoge und ein opulentes Bühnenbild treffen auf eine moderne, kreative Interpretation.

Die offizielle Pressemitteilung verspricht „unvergessliche Melodien“, „pointierte Dialoge“ und einen „Hauch von italienischem Flair“. Gleichzeitig bleibt die Produktion tief österreichisch – denn letztlich geht es um Intrigen, Erbschaftsstreitigkeiten und darum, sich gegenseitig möglichst elegant ein Bein zu stellen.

Mit dieser Mischung aus Nostalgie, Humor und neuer Ästhetik könnte sich die diesjährige Produktion als einer der sommerlichen Kulturtipps im Weinviertel etablieren.

Die Operette „Gasparone“ ist im Sommer 2026 beim Schlossfestival Wilfersdorf zu sehen. Gespielt wird im stimmungsvollen Ambiente von Schloss Wilfersdorf.

Spieldaten

  • Premiere: Freitag, 3. Juli 2026, 20.30 Uhr
  • Samstag, 4. Juli 2026, 20.30 Uhr
  • Donnerstag, 9. Juli 2026, 20.30 Uhr
  • Freitag, 10. Juli 2026, 20.30 Uhr
  • Samstag, 11. Juli 2026, 20.30 Uhr

Kindervorstellungen mit dem „Räuberhauptmann Gasparone“

  • Samstag, 4. Juli 2026, 17.00 Uhr
  • Sonntag, 5. Juli 2026, 17.00 Uhr

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