Das Trio in seinem Element. Rockmusik und Blues vom Feinsten.

Vom Zistersdorfer Haubenlokal auf die Sierndorfer Rockbühne

Wenn Haubenkoch Georg Kruder aus dem „Gasthaus zum Grünen Baum“ in Zistersdorf eines kann, dann ist es kochen – und zwar auf höchstem Niveau. Doch während der Corona-Pandemie wurde ein altes Feuer in ihm entfacht: die Musik. Gitarre statt Grill, Groove statt Gourmet – Kruder entdeckte seine alte Leidenschaft neu. Doch alleine spielt es sich nur halb so gut. Deshalb entstand noch während eines fröhlichen Heurigenabends die Idee, eine Combo zu gründen – zunächst mit dem Jedenspeigener Musiker Werner Ernst. Was danach kam, durften wir erst kürzlich auf der Sierndofer Kellerbergbühne hören.

Jedenspeigen/Zistersdorf. Ja, ich weiß, wir erinnern uns nur ungern, ich muss es jetzt dennoch tun: Die diversen Lockdowns im Jahr 2020 und 2021 waren ein Fluch – und hatten dennoch eine gute Seite. Mehr Zeit für Leidenschaften, die im stressigen Alltag keinen Platz hatten. Auch der Zistersdorfer Haubenkoch Georg Kruder, der das Gasthaus zum Grünen Baum führt, hatte in diesen Monaten vorwiegend eines: Zeit. Also entstaubte er seine Gitarre, die 30 Jahre lang ein ziemlich einsames Dasein führte, und legte los. Lang brauchte es nicht, bis er den Saiten seine Lieblingstöne entlockte. Georg ließ sich von seinen Lieblingsrockklassikern wie „Hotel California“ von den Eagles inspirieren, und nach einigen Sessions war klar: Da geht mehr. Viel mehr.

Roland Sperk mit der Grammel Hütte Combo nach dem genialen Konzert in Sierndorf.
Roland Sperk mit der Grammel Hütte Combo nach dem genialen Konzert.

Grammel Hütte Combo – Hommage an eine Wirtshauslegende

Geredet über ein Intermezzo der musikalischen Art hat Georg während dieser Pandemiejahre schon öfter mit seinem Bekannten „Werntsch“ Werner Ernst, ebenfalls ein begnadeter Jedenspeigener Musiker. Ernst wurde es allerdings erst während eines fröhlichen Heurigenabends. Bei dem Michaela Weiser, Inhaberin des hiesigen Sierndorfer Einrichtungshauses, Werner ans Telefon holte, und Georg gleich den ersten Jam-Session-Termin ausmachte. Die Combo war geboren.

Doch so groß der Spaß an der Musik für die beiden auch war, merken die beiden schnell, dass da noch etwas Wesentliches fehlte: der Rhythmus. Und so kam der Chemielaborant Thomas Seebauer ins Spiel. Dessen Großvater war schon Kapellmeister der Gemeinde, und auch Thomas selbst spielt seit 27 Jahren bei der Blasmusik. Mit seinem Cajon, einer Holzbox mit trommelähnlichem Klang, das Thomas seit 15 Jahren spielt, gibt er nun den Takt in der Band vor.

Was jetzt noch fehlte für das musikalische Dreiergespann? „Ein cooler, internationaler Name natürlich“, erzählt Georg mit einem Augenzwinkern. Und der war ganz schnell gefunden. Der Name ist eine Referenz an das legendäre Wirtshaus „Gittis Grammelhütte“, das in Jedenspeigen als Institution gilt.

Der Spaß an der Musik

Was dann noch fehlte für das perfekte Rockstarleben? Der erste Auftritt natürlich! Am 22. Dezember 2024 war es soweit. Standesgemäß spielte die Grammel Hütte Combo in Gittis Grammelhütte – samt stimmungsvoll-rockiger Weihnachtsmusik, natürlich regional umgedichtet. „Driving Home for Christmas“ wurde so zu „Weihnachten im Häfn“. Dass das Publikum begeistert war, braucht man nicht extra zu erwähnen.

Gemütliche Atmosphäre und gute Musik werden in Sierndorf garantiert.
Das Publikum wartet gespannt auf den Beginn des Auftritts.

Ein halbes Jahr später war es wieder so weit. Das zweite Konzert, diesmal am Sierndorfer Kellerberg, stand am Programm, über 170 Zuschauer rockten gemeinsam mit Georg, Werntsch und Thomas die Bühne im Grünen. Geprobt hat das Trio natürlich fleißig. Alle 14 Tage im Keller von Werntsch. Was dabei keinesfalls zu kurz kommt: das Blödeln. „Das Spielen macht einfach richtig Spaß. Wir haun‘ uns über unsere eigenen Texte ab und spielen coole Musik. Das ist richtig befreiend“, erzählt Georg. Federführend bei den Texten ist Werntsch. Der regionalisiert die Lyrics oder erfindet einfach gleich ganz Neue. So entstehen Titel wie „An der schönen grauen Morawa“ oder „I und mei Madl“ die mal extrem lustig sind, dann aber auch wieder zum Nachdenken anregen. Gespielt wird quer durch den Rock- und Blues-Garten: von „Wish You Were Here“ über Eigenkompositionen bis hin zu „Stairway to Heaven“ oder eben „Hotel California“.

Vom Kochlöffel zur Klanggitarre: Ein Projekt mit Seele

In einer Gemeinde, in der Gemeinschaft großgeschrieben wird, ist es kein Wunder, dass sich aus einer pandemiebedingten Spielerei eine handfeste Band entwickelt hat. Die „Grammel Hütte Combo“ ist mehr als ein musikalisches Experiment – sie ist gelebte Weinviertler Lebensfreude. Oder wie es Georg auf den Punkt bringt: „Musik verbindet und lässt Freundschaft wachsen.“

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