15 Jahre voller Geschichten: Die Öffentliche Bibliothek Raasdorf feiert Jubiläum
Manchmal entstehen die schönsten Projekte ganz nebenbei. Bei einem Friseurbesuch etwa. Dort saßen Beate Rauchberger und Margrit Kreitl nebeneinander und sprachen über die leerstehenden Räume im alten Kulturhaus. „Da könnte man doch Bücher hineinstellen“, überlegten die beiden damals. Eine unverbindliche Idee – aus der schließlich die Öffentliche Bibliothek Raasdorf entstehen sollte.
Heuer feiert die Bibliothek ihr 15-jähriges Jubiläum. Anlass genug, mit Gründerin Beate Rauchberger auf die Anfänge, besondere Momente und die Entwicklung der Bibliothek zurückzublicken.
Fotos: Regina Courtier



Von der spontanen Idee zum Herzensprojekt
„Aus heiterem Himmel ist es eigentlich losgegangen“, erzählt Beate lachend. Schnell wurden weitere Menschen gefragt, ob sie mithelfen möchten. Ein Team entstand – und viele davon sind bis heute dabei.
Gemeinsam wurde gesammelt, organisiert und angepackt. Die Räume wurden ausgemalt, Regale aufgestellt und 2010 begann die erste Büchersammlung. Viele Raasdorferinnen und Raasdorfer kamen mit Taschen voller Bücher vorbei, um das neue Projekt zu unterstützen.
Zu Beginn arbeitete die Bibliothek außerdem mit einer Wanderbibliothek des Kirchlichen Bibliothekswerks. Rund 100 bis 150 Bücher wurden regelmäßig nach Raasdorf geholt und später wieder zurückgebracht. Obwohl die Bibliothek keine Pfarrbibliothek ist – Träger war und ist die Gemeinde Raasdorf –, bestand von Anfang an eine enge Kooperation mit dem Bibliothekswerk.
Fast zeitgleich begann auch das Land Niederösterreich, Bibliotheken verstärkt zu fördern. Regionalbetreuungen, Treffen und Unterstützung bei Förderungen halfen beim Aufbau. „Das war ein Glück für uns“, erinnert sich Beate. Dadurch konnten von Anfang an Neuanschaffungen gemacht werden.



Vom Kinderprojekt zum Treffpunkt für alle Generationen
Anfangs richtete sich die Bibliothek ausschließlich an Kinder und Jugendliche. Bis 2018 bestand das Angebot nur für junge Leserinnen und Leser. Doch schon bald wurde die Bibliothek mehr als ein Ort zum Bücher-Ausleihen.
Es gab Kinderlesungen, kreative Veranstaltungen und unterschiedlichste Projekte. Mit der Zeit kamen immer mehr Ideen dazu: Aktionen rund um „Natur im Garten“, Workshops, Lesungen und Veranstaltungen für Erwachsene.
2018 fragte schließlich die Gemeinde an, ob die Bibliothek in die Räumlichkeiten der Pfarre übersiedeln möchte. Zwischen 2020 und 2021 erfolgte der Umzug – und mit ihm ein neuer Abschnitt. Seit der offiziellen Eröffnung 2021 ist die Bibliothek eine öffentliche Bibliothek für alle Generationen.
Heute umfasst der Bestand rund 5.000 Medien. Aktuell arbeitet das Team sogar daran, ein neues Bibliotheksprogramm einzuführen und sämtliche Medien neu zu erfassen – eine große Aufgabe, die viel Engagement verlangt.



Lesungen, Workshops und spontane Ideen
Stillstand scheint es in der Bibliothek Raasdorf ohnehin nicht zu geben. Das Veranstaltungsprogramm ist vielseitig und kreativ: Filzworkshops, Pflanzentauschmärkte, Lesungen mit bekannten Autorinnen und Autoren wie Vea Kaiser oder bald auch ein musikalisch begleiteter Abend mit Anton Salzer sorgen regelmäßig für volles Haus.
Auch der monatliche Leserattenclub begeistert viele Kinder. Alexandra Mojedano kümmert sich mittlerweile nicht nur um Social Media, sondern betreut auch diesen Club.
Dazu kommen Buchklubs, das „Spiel der Generationen“ im Rahmen des Pfarrcafés oder spontane Aktionen, die oft kurzfristig entstehen. „Viele Projekte probiert man einfach aus. Vieles funktioniert, manches eben nicht – aber das macht ja nichts“, sagt Beate.
Besonders beliebt sind derzeit thematische Schwerpunkte bei den Büchern: momentan die sogenannten „Healing Novels“, Romane rund um Achtsamkeit, oder etwa auch Gartenromane finden großen Anklang.



Bücher als Begegnung
Ein wichtiges Anliegen war dem Team immer die Leseförderung. Durch die Aktion „Treffpunkt Bibliothek“ und die beliebten Buchstarttaschen besucht Beate sogar das örtliche Babycafé – inklusive erster Öffentlichkeitsarbeit für die jüngsten Leserinnen und Leser.
Unterstützung gab es dabei immer wieder aus der Gemeinde und von regionalen Partnern. So finanzierte etwa der Kiwanis Club spezielle Bücher zu den Themen Diversität und Prävention sowie kreative Workshops.
Auch bei Gemeindeveranstaltungen wie dem Spielplatzfest ist die Bibliothek gemeinsam mit der Pfarre aktiv vertreten.
„Dann kommen die Ideen einfach“
Wenn Beate heute auf die vergangenen 15 Jahre zurückblickt, spürt man vor allem eines: Begeisterung. „Oft denke ich mir: Heuer mache ich nichts mehr. Aber dann kommen die Ideen – und dann muss man sie eben umsetzen.“
Was bis zum Sommer noch alles entstehen wird, weiß sie selbst noch nicht genau. Sicher ist aber: Die Bibliothek Raasdorf ist längst viel mehr als ein Ort voller Bücher geworden. Sie ist ein Treffpunkt, ein Kulturraum und ein Stück gelebte Gemeinschaft.
Oder, wie Beate es formuliert: „Wir haben für Raasdorf schon etwas schaffen können. Wir bieten den Menschen etwas, und ganz wichtig sind uns dabei immer die Kinder.“
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