Wienerlied, Wein & Wahnsinn am Kellerberg
Beitragsfoto: © Ulrike Potmesil
Am Sierndorfer Kellerberg ist wieder einmal das passiert, was offiziell „Konzert“ heißt, inoffiziell aber eher „kontrollierter Ausnahmezustand mit Musikbegleitung“.
Schon die Grundregel des Abends ist schnell klar: Wer hier herkommt, hat drei Probleme weniger im Leben: Hunger, Durst und schlechte Laune. Unter dem Motto „Weinviertel meets Wienerlied“ treten die 16er Buam gemeinsam mit Coro Nostro auf. Klingt harmlos, ist es aber nicht. Denn kaum hebt der erste Ton an, wird aus der Natur- & Kulturarena eine Mischung aus Heurigen, Comedyclub und leicht angetrunkener Staatsoper.



Unvergleichlich entspannt: die Naturarena am Sierndorfer Kellerberg. © Ulrike Potmesil
Die 16er Buam – zwei Ottakringer Originale mit musikalischer Lebenserfahrung und sehr vielen Heurigenproben – erklären gleich selbst, worum es hier wirklich geht: „Böse Zungen sagen, wir waren a Blaskapelle und 14 haben sich zu Tode g’soffen“, grinst Klaus, die Hälfte des Duos und zuständig für die Kontragitarre, und schaut dabei so unschuldig wie jemand, der genau weiß, dass es stimmen könnte. Die andere Hälfte, Patrick an der Knopfharmonika, nickt charmant dazu – musikalisch wie schmähtechnisch auf Augenhöhe.



Die Boyband am Kellerberg. © Ulrike Potmesil
Coro Nostro hält dagegen. Oder besser gesagt: singt dagegen. Die musikalischen Blöcke wechseln sich ab. „Das erste Mal, dass wir mit Setlist arbeiten“, feixt Klaus. „Wir sind eigentlich kein Chor“, sagt Gernold trocken, „wir treffen uns zum Singen, Schmähführen und Weingenießen.“ Also ein Verein, nur ohne Satzung, aber mit Flüssigkeitszufuhr. Zwischendurch entsteht am Kellerberg quasi nebenbei die erste inoffizielle Boyband zwischen Ottakring und Sierndorf. Klaus dazu staubtrocken: „Der Bravo-Titel ist fix. Security brauchen wir auch, die müssen uns vor den Groupies retten.“ Man merkt: Die Realität hat an diesem Abend früh Feierabend gemacht.





Musikalisch wird improvisiert, was das Zeug hält. Wenn der Text weg ist, hilft nur mehr der klassische „Umpa-Umpa-Notfallmodus“. „Das spielt jeder Musiker, wenn er nicht mehr weiterweiß“, erklärt Klaus. „Da geht alles drauf – von Großer Gott wir loben dich bis zur Internationalen.“ Dann kommt der Höhepunkt der sprachlichen Eskalation: die Wiener Schimpfwort-Litanei. Rasant, gnadenlos, und definitiv nichts für Menschen mit Hochdeutsch-Abo. „ausg’waschns Ochsenkaibl, deppats Krotnweibl, schmimplates Kreuzweckerl …“ Die Hälfte des Publikums lacht, die andere Hälfte versucht noch mitzuschreiben. Erfolglos. „Die beste Story dazu hab ich mit einem Besoffenen erlebt, der ist hinten an der Bar gelehnt, hat sich zerkugelt und gemeint. “Des Liad is a Wahnsinn, des muass im ma merkn.”



Mastermind Roland, die Musiker und das Landpartie-Team. © Ulrike Potmesil
Das Wiener Unterwelt-Medley wird anschließend als „Gemischter Satz“ verkauft, das versteht jeder Weinviertler. Romantik versucht man auch noch kurz. Sehr kurz. „Oide, geh ziag ma die Schuach aus“ wird verworfen, und man einigt sich auf die klassische Minimalversion: „Stellt’s meine Ross in Stall.“ Zum Schluss dann das große gemeinsame Finale: „Ana hot immer des Bummerl“. Wer’s diesmal hatte ist unklar, ob’s überhaupt jemand wissen will ebenso. Klaus meint dazu trocken: „Nach dem Konzert dürfts die Künstler berühren – ich sag gleich, es wird eine Enttäuschung.“


Roland lenkt das legendäre WC Tuktuk. © Ulrike Potmesil
Enttäuscht war allerdings niemand, ganz im Gegenteil, denn ein paar Meter weiter beim Heurigen wird weitergesungen, weitergetrunken und weiterdiskutiert, ob das jetzt noch Konzert oder schon Dorffest war. Und das bei nicht weniger als einem der besten Weine Österreichs. Serviert wird ein Finalist der NÖ Landesweinprämierung: der Welschriesling von Gerald und Daniela Kridlo. Kridlos Weine sind außerdem gleich mehrfach im SALON Österreich Wein gelandet, der absoluten Elite-Schau, praktisch der härtesten Wein-Staatsmeisterschaft des Landes.


Daniela und Gerald Kridlo kredenzen prämierte Weine. © Ulrike Potmesil
Wir haben das einzige Festival, das mindestens sieben Salonweine ausschenkt“, meint Roland, Obmann des Vereins Landpartie am Kellerberg und Mastermind des Wienerlied Festivals in Sierndorf. Und damit ist eigentlich alles gesagt. Oder wie man am Kellerberg sagen würde: Des is da Wahnsinn.
Weinviertel Festival
Landpartie am Kellerberg
21. Und 22. August 2026
Hier gibts Tickets und alle Infos: www.landpartie-kellerberg.at
Du liest mit Begeisterung unsere Artikel? Dann unterstütze uns hier.
Lest da auch noch rein!

Abschied vom Zaubergarten, Aufbruch zu neuen Projekten
Abschied vom Zaubergarten, Aufbruch zu neuen Projekten Wenn sich das Gartentor bei Lilia Olchowa in Drösing öffnet, erwartet die[…]

Raus ins Weinviertel: Die besten Termine der Woche
Raus ins Weinviertel: Die besten Termine der Woche Wer noch nach Ideen für das Wochenende oder die kommenden Tage[…]

Das versunkene Dorf mitten im Weinviertel
Das versunkene Dorf mitten im Weinviertel Ein 40 Meter tiefer Brunnen ohne Wasser, verschwundene Kirchenstufen und ein Dorf, das[…]

No responses yet