Weinbauverein Jedenspeigen-Sierndorf: Festivalweine vom Sierndorfer Kellerberg

Titelfoto: Regina Courtier

Wenn am 22. August 2026 auf dem Sierndorfer Kellerberg wieder Wienerlieder erklingen, werden die Besucher nicht nur Musik genießen können. Auch die Weine der Region spielen beim Wienerliedfestival eine wichtige Rolle. Dafür sorgt der Weinbauverein Jedenspeigen-Sierndorf, der eigens ausgewählte Festivalweine präsentiert und damit einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung leistet. Wir wollen euch diesen Verein heute näher vorstellen:

Der Verein zählt derzeit rund 15 aktive Weinbaubetriebe aus Jedenspeigen und Sierndorf an der March – eine Mischung aus Haupt- und Nebenerwerbswinzern. Gemeinsam organisieren sie das ganze Jahr über zahlreiche Veranstaltungen, darunter die Weintour, das Kellergassenkulinarium, die Kellergassenfeste im Frühjahr und Herbst sowie den Winzerkirtag Ende Juli. Auch viele Veranstaltungen der Landpartie werden von den Winzern begleitet. „Wir sind eigentlich das ganze Jahr über beschäftigt – und das neben unserer Arbeit als Winzer“, erzählt der Obmann des Vereins, Gerald Kridlo.

Besonders ist dabei weniger die Anzahl der Betriebe als deren Zusammenarbeit. Obwohl jeder Winzer seinen eigenen Betrieb führt, ziehen alle an einem Strang. Erfahrungen werden geteilt, Ideen gemeinsam entwickelt und neue Projekte miteinander umgesetzt.

„Gegeneinander kostet nur Energie und bringt nichts“, sagt Gerald. „Natürlich hat jeder seinen eigenen Betrieb, aber wenn einer etwas Neues ausprobiert oder eine Idee hat, profitieren oft alle davon.“

Dieser Zusammenhalt zeigt sich auch in der Qualität der Weine. Heuer stammen gleich sieben Salonweine aus Jedenspeigen-Sierndorf. Das Prädikat „Salonwein“ gilt als höchste Auszeichnung für österreichische Weine. Für eine Weinbaugemeinde mit rund 80 Hektar Rebfläche ist das ein bemerkenswerter Erfolg.

Dass die Qualität konstant hoch bleibt, liegt auch am regelmäßigen Austausch innerhalb des Vereins. Gerade Nebenerwerbswinzer profitieren vom Wissen und der Erfahrung der hauptberuflichen Kollegen. „Da kocht nicht jeder sein eigenes Süppchen“, sagt Gerald. „Jeder kann sich verbessern, und davon profitiert am Ende die ganze Gemeinde.“

Die Voraussetzungen dafür sind ideal. Das pannonische Klima bringt viele Sonnenstunden, gleichzeitig sorgt die Nähe zur March für kühlere Einflüsse. Dadurch entstehen frische Weißweine ebenso wie charaktervolle Rotweine. Grüner Veltliner und Welschriesling zählen zu den wichtigsten Sorten, doch die Vielfalt ist groß.

„Eigentlich wächst bei uns fast jede Sorte gut“, erzählt Gerald. Entsprechend experimentierfreudig zeigen sich die Winzer. Neben klassischen Weiß- und Rotweinen entstehen Frizzante-Spezialitäten, Orangeweine und weitere Besonderheiten.

Hinter jedem Wein steckt dabei ein Arbeitsjahr, das eigentlich niemals endet. Bereits im Dezember beginnt mit dem Rebschnitt die Vorbereitung auf die nächste Saison. Im Frühjahr werden Triebe angebunden, überschüssige Austriebe entfernt und die Rebstöcke gepflegt. Im Sommer folgt die Arbeit in der Laub- und Traubenzone, damit die Früchte gesund bleiben und optimal reifen können. „Im August dürfen wir Winzer dann auch mal kurz auf Urlaub fahren“ lacht Gerald Kridlo. Denn da herrscht im Weingarten eine kleine Verschnaufpause. Im September startet schließlich die Weinlese, die meist bis Mitte Oktober dauert. Danach werden die jungen Weine kontrolliert, begleitet und weiterentwickelt, bevor sie abgefüllt werden.

Für Gerald Kridlo ist die intensive Arbeit eine Selbstverständlichkeit. Seit seinem 15. Lebensjahr arbeitet er im Familienbetrieb mit, den er heute leitet. Der Betrieb selbst besteht seit rund 270 Jahren. Vor drei Jahren übernahm er zudem die Obmannschaft des Weinbauvereins. Die gute Zusammenarbeit der Winzer sei allerdings schon unter seinem Vorgänger Werner Zirnsack entstanden. „Werner hat da viel investiert in unsere Gemeinschaft. Meine Aufgabe ist es, diesen Weg fortzuführen.“

Wie gut diese Zusammenarbeit funktioniert, zeigt sich auch beim Wienerliedfestival. Als Festivalinitiator Roland Sperk und sein Team vor einigen Jahren an den Weinbauverein herantraten und fragten, ob die Winzer die Weinbar übernehmen würden, sagte Gerald zwar zu, konnte sich allerdings noch nicht viel unter dem Festival vorstellen.

„Ich wusste natürlich, was Wienerlieder sind, aber wie so ein Festival auf dem Kellerberg funktionieren soll, war für mich schwer einzuschätzen.“

Mittlerweile ist die Begeisterung groß. Die Winzer präsentieren beim Festival eigene Festivalweine, die jedes Jahr im Rahmen einer gemeinsamen Verkostung ausgewählt werden. Die Entscheidung fällt bewusst erst wenige Wochen vor der Veranstaltung. „Wein verändert sich ständig. Wenn wir im Juni verkosten, wissen wir ziemlich genau, wie sich die Weine im August präsentieren werden.“

Rund 20 Weine werden dafür verkostet. Gleichzeitig achten die Organisatoren darauf, alle teilnehmenden Betriebe einzubinden. Die ausgewählten Weine erhalten eine eigene Festivalplakette und können das ganze Jahr über gekauft werden.

Beim ersten Festival wurde die Nachfrage nach den Weinen deutlich unterschätzt. Heute übernehmen die Winzer Schichtdienste am Weinstand, kümmern sich um den Aufbau und sorgen dafür, dass den Gästen die ganze Vielfalt der Region angeboten werden kann – vom Weißwein über Rotwein bis hin zum Frizzante.

Besonders schätzt Gerald die Atmosphäre, die das Festival auf den Sierndorfer Kellerberg bringt. Denn genau dort spielte sich früher ein großer Teil des Weinlebens ab. Vor einigen Jahrzehnten wurde in vielen Kellern noch direkt gearbeitet. Die Winzer trafen einander regelmäßig, tauschten sich aus und verbrachten gemeinsame Abende – und manchmal auch Nächte.

„Früher war hier immer Betrieb. Man hat sich in den Kellern getroffen, miteinander geredet und gesungen.“

Heute wird großteils in modernen Kellereien gearbeitet. Umso schöner sei es, dass das Wienerliedfestival dieses besondere Gefühl für einen Tag wieder aufleben lässt. Musik, Wein und Menschen finden dort zusammen, wo über Generationen hinweg Weinviertler Kultur gelebt wurde.

Und vielleicht passt gerade deshalb die Partnerschaft zwischen Festival und Weinbauverein so gut zusammen: Beide zeigen auf ihre Weise, wie lebendig Tradition sein kann.

Und vielleicht ist genau das das Erfolgsgeheimnis des Weinbauvereins Jedenspeigen-Sierndorf: die Bereitschaft, gemeinsam mehr zu erreichen als allein. Die Leidenschaft für den Wein, die Freude am Ausprobieren und der Zusammenhalt unter den Winzern sorgen dafür, dass die Region weit über ihre Grenzen hinaus für Qualität und Gastfreundschaft bekannt ist.

Die Winzer des Weinbauvereins Jedenspeigen-Sierndorf

  • Weingut Heuriger Dietzl
  • Weinbau Dürr
  • Weinbau Falmbigl
  • Weinbau Forster
  • Weinbau Fradinger Reinhard
  • Weingut Gassner
  • Winzerhof Kridlo
  • Weinbau Kunrath
  • Weinbau Leidler
  • Weinbau Müllner
  • Weinbau Schmid Claudia & Peter
  • Weinbau Schordan
  • Weingut Weilinger Günter
  • Weinbau Weilinger-Lowatschek
  • Bio Weingut Zirnsack
  • Weingut Zissler

Du liest mit Begeisterung unsere Artikel? Dann unterstütze uns hier.

Lest da auch noch rein!

Acht Männer mit Herz, Stimme und jede Menge Schmäh

Acht Männer mit Herz, Stimme und jede Menge Schmäh Beitragsbild © Ulrike Potmesil Manche Chöre brauchen Statuten, Vorstände und[…]

Stadtcafé Groß-Enzersdorf – das Wohnzimmer der Gemeinde

Stadtcafé Groß-Enzersdorf – das Wohnzimmer der Gemeinde Als ich das Stadtcafé in Groß-Enzersdorf betrete, dauert es nicht lange, bis[…]

Viertelfestival, Veronika Goller, Marlies Döltl, Andrea Steineder, Volksschule Wolkersdorf, Wolkersdorf, Skulpturen, Jugendkultur, Kunst, Spielzeug,

Sinfonie der Sehnsüchte – Wenn Kinderwünsche hörbar werden

Sinfonie der Sehnsüchte – Wenn Kinderwünsche hörbar werden Alle Fotos © Regina Courtier/Weinviertel-Remasuri SPIEL. TRAUM. KLANG. So lautet der[…]

TAGS

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert