Siméon Stoyanov, Christine Stanczak-Kridlo, Tanzschule, Gerasdorf, Weinviertel-Remasuri, Tanzszene im Weinviertel, © Regina Courtier,

Paris – Wien – Gerasdorf: Ein Tänzer ist gekommen, um zu bleiben

Titelbild: Christine Stanczak-Kridlo und Siméon Stoyanov, die Gründer von Siméons Tanz Fabrik – die Tanzschule. Alle Fotos: © Regina Courtier/Weinviertel-Remasuri.

Wo getanzt wird, bleibt selten jemand lange sitzen. Schon gar nicht, wenn Siméon Stoyanov am Parkett steht. Am 26. September wurde in Gerasdorf eine neue Tanzadresse offiziell eröffnet: Siméons Tanz Fabrik. Und wer bei der Eröffnung dabei war, bekam schnell den Eindruck, dass hier nicht einfach eine weitere Tanzschule ihre Türen geöffnet hat. Hier ist ein Herzensprojekt entstanden.
Für Christine Stanczak-Kridlo und Siméon Stoyanov, die Gründer der neuen Tanzschule, ist damit ein großer Wunsch Wirklichkeit geworden.
Ihr Motto bringt es auf den Punkt: „Tanzen ist mehr als nur Bewegung zur Musik.“

Vom roten Teppich direkt aufs Parkett

Wer zur Eröffnung kam, wurde zunächst über den roten Teppich und mit einem Glas Sekt empfangen. Dahinter warteten knapp 400 Quadratmeter lichtdurchfluteter Tanzpalast, in dem an diesem Abend allerdings nicht nur getanzt, sondern auch ordentlich gefeiert wurde.
Rund 350 Gäste ließen sich das Ereignis nicht entgehen. Unter ihnen waren auch der österreichische Nationaltrainer der Standardtänze des Österreichischen Tanzsportverbandes, Helmut Hanke, sowie Wolkersdorfs Bürgermeister Dominic Litzka mit seiner Ehefrau Barbara.
Die Eröffnungsrede wurde schließlich zu einem sehr persönlichen Moment. Christine und Siméon blickten auf ein Jahr zurück, das offenbar einiges an Höhen und Tiefen zu bieten hatte. Ein besonderer Dank ging an die Sponsoren, Unterstützer und all jene, die bei der Entstehung der Tanzschule mitgeholfen haben.

Christine brachte ihre Gefühle treffend auf den Punkt: „Wenn man hier steht, möchte man vor Freude tanzen.“
Bei Siméon waren die Emotionen ebenfalls deutlich zu spüren. Die Tränen der Rührung konnte er kaum zurückhalten. Sein Dank ging unter anderem an seine ehemalige Tanzpartnerin Kalina, die einen ganz wesentlichen Anteil daran hatte, dass Siméon seine Zelte in Paris abbrach und in Österreich blieb. Ebenso dankte er seinem Lebenspartner Marcin Wolniaczyk, der das Projekt mit all seinen Höhen und Tiefen mitgetragen hat, seiner Mutter, die er kurzerhand eigenhändig mit dem Auto von Paris nach Gerasdorf holte, und natürlich all jenen, die ihn auf seinem Weg zur eigenen Tanzschule unterstützt haben.

Und dann wurde getanzt. Und getanzt. Und getanzt…

Nach der offiziellen Eröffnung gab es eigentlich nur noch eine Frage: Wann ist Schluss?
Die Antwort lautete: um zwei Uhr früh.
Dazwischen gab es eine Hip-Hop-Show, Live-Musik, Standard- und Lateinshows, Boogie-Woogie, Line Dance und Partytänze. Siméon selbst stand natürlich ebenfalls immer wieder auf dem Parkett, bei Bachata ebenso wie bei den Partytänzen und übernahm zwischendurch auch noch das DJ-Pult.
Kurz gesagt: Wer gehofft hatte, nach der Eröffnungsrede gemütlich nach Hause zu kommen, hatte die Rechnung ohne Siméon gemacht.

Paris, Wien und schließlich Gerasdorf

Dass Siméon heute eine eigene Tanzschule betreibt, ist allerdings nicht einfach vom Himmel gefallen.
Aufgewachsen ist er in Paris, wo seine Eltern seine Tanzleidenschaft schon früh förderten. Als Ballroomtänzer gehört es allerdings zum Geschäft, dass Tanzpartnerschaften irgendwann auseinandergehen können. Wer weiterkommen will, muss sich deshalb international umsehen.
Für Siméon führte dieser Weg nach Wien, wo er sich mit Kalina seine Sporen am Parkett verdiente.
Er tanzte, trainierte und jobbte, wo immer sich eine Möglichkeit bot. Natürlich fand er auch in der Tanzszene Arbeit und genau dort lernte er seine Geschäftspartnerin Christine und ihren Ehemann Horst kennen.
Was zunächst eine Schüler-Lehrer-Beziehung war, entwickelte sich bald zu einer Freundschaft. Und irgendwann entstand daraus die Idee, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.


Eine eigene Tanzschule. Gesagt, getan.

Siméon absolvierte die Ausbildung zum Tanzmeister. Und weil ein Tanzmeister nicht nur seine Schritte, sondern auch seine Sprache beherrschen sollte, wurde ausgerechnet Deutsch zur nächsten Herausforderung. Französisch, Englisch und Bulgarisch waren vorhanden für das begehrte Zertifikat musste aber die Sprache Deutsch her. Also wurden seine Deutschkenntnisse vertieft und zwar mit dem gleichen eisernen Willen, mit dem Siméon offenbar auch seine Tanzkarriere verfolgt.

Wer ihn kennt, weiß, Siméon wäre nicht Siméon, wenn dabei nicht auch eine ordentliche Portion Verrücktheit und Humor im Spiel wäre. In der Tanzszene ist er für seine unkonventionelle Art ebenso bekannt wie für sein Durchsetzungsvermögen. Gleichzeitig ist er jemand, der seine Wegbegleiter zu schätzen weiß – und das wurde bei dieser Eröffnung mehr als deutlich.

Tanzen, wo man gerne zusammenkommt

Für Christine ist Tanzen vor allem eines: Leidenschaft, Ausdruck und ein Gefühl von Freiheit.
„In Siméons Tanz Fabrik möchten wir Menschen zusammenbringen, Emotionen wecken und besondere Momente schaffen“, beschreibt sie die Idee hinter der Tanzschule.
Und Siméon selbst sagt: „Wir freuen uns darauf, euch persönlich kennenzulernen und gemeinsam unvergessliche Tanzmomente zu erleben. Tanzen ist eine künstlerische und menschliche Reise, die ich gerne mit euch gemeinsam machen möchte.“
Wer nun neugierig geworden ist, muss übrigens keine Weltreise auf sich nehmen.
Die Tanzschule liegt direkt an der Brünner Bundesstraße in Gerasdorf, in unmittelbarer Nähe zur Autobahnabfahrt. Der persönliche Anfahrtstest aus Richtung Schwechat ergab, bei entsprechendem Rückenwind sind das gerade einmal 32 Minuten.
Auf mehr als 300 Quadratmetern kann getanzt, trainiert und vor allem zusammengekommen werden. Und auch öffentlich ist die Tanzfabrik gut erreichbar: Mehrere Buslinien fahren in die Gegend, darunter auch der G3-Bus.
Paris war der Anfang. Wien wurde zur nächsten Station. Und Gerasdorf soll nun der Ort sein, an dem Siméon bleibt. Zumindest solange das Tanzparkett noch etwas aushält.

Denn eines hat die Eröffnung eindrucksvoll gezeigt:
In Siméons Tanz Fabrik wird nicht nur getanzt. Hier wird gelebt, gelacht, gefeiert – und offenbar auch ordentlich durch die Nacht getanzt.

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