Michael Müllner organisiert das Rahmenprogramm am Wienerlied Festival in Sierndorf.

Wienerlied-Festival in Sierndorf: Musik, Wein und eine Landpartie rund um den Kellerberg

(Bezahlte Kooperation) Am 22. August wird der Sierndorfer Kellerberg wieder zur Bühne für das Wienerlied. Wer sich allerdings erst zum Festivalbeginn auf den Weg macht, verpasst einen Teil der Landpartie: Schon am Vormittag führen Wanderungen durch Weingärten und über ein mittelalterliches Schlachtfeld, in alte Weinkeller und geheimnisvolle Erdställe. Organisiert wird das Rahmenprogramm „Rund umadum – bei uns daham“ von Michael Müllner.

Das Wienerlied gehört nach Wien? Schon. Aber nicht nur. Denn wenn sich mehr als 50 Musikerinnen und Musiker auf zehn Naturbühnen zwischen Weingärten, Presshäusern und Kellergewölben verteilen, dann fühlt es sich auch am Sierndorfer Kellerberg ziemlich daheim. Am Samstag, dem 22. August, lädt der Kulturverein „Landpartie am Kellerberg“ wieder zum großen Wienerlied-Festival. Und wie es sich für eine ordentliche Landpartie gehört, beginnt diese nicht erst mit dem ersten Lied.

Mehr sehen als die Festivalbühnen

„Beim ersten Wienerlied-Festival war die Idee, Menschen aus anderen Regionen zu uns zu holen“, erzählt Michael Müllner, der das Rahmenprogramm organisiert. Die Besucherinnen und Besucher sollten nicht nur die Musik erleben, sondern auch sehen, was es rundherum zu entdecken gibt. „Deshalb war klar: Wir müssen aus diesem Landpartiegedanken etwas machen.“

Was zunächst von einem kleineren Teil der Festivalgäste genutzt wurde, hat sich inzwischen etabliert. Rund 20 Personen können jeweils an den geführten Touren teilnehmen. Sie kommen aus Wien, Oberösterreich oder Salzburg, manche reisen bereits am Vortag an und übernachten direkt in der Ortschaft oder in Zistersdorf oder Hohenau. Andere sitzen am Morgen in Wien im Zug und werden wenig später am Bahnhof in Jedenspeigen oder Dürnkrut abgeholt.

Rund 80 Prozent der Festivalgäste reisen laut Müllner mit der Bahn aus Wien an. Sämtliche Programmpunkte sind deshalb auf die Zugverbindungen und den Beginn des Musikprogramms abgestimmt. Am Ende der Führungen und Wanderungen geht es direkt weiter zum Kellerberg.

„Viele Dinge, die für uns in der Region selbstverständlich sind, sind für Wienerinnen und Wiener völlig neu“, sagt Müllner. Das beginnt beim Spaziergang durch die Kellergasse und reicht bis zur Frage, warum sich in sogenannten Erdställen mittelalterliche Gangsysteme verbergen.

Vom Hundsberg bis zur Papstkapelle

Bei der Riedenwanderung führt der Weg durch die Jedenspeigener Weingärten zu den Rieden Hundsberg und Strassler. Dabei geht es nicht nur um Rebsorten und Jahrgänge, sondern auch um den Alltag im Weinbau, regionale Traditionen und die Landschaft entlang der March. Ein Abstecher führt zur Papstkapelle, danach werden ausgewählte Weine aus der Region verkostet. Kinder bekommen statt Wein Traubensaft.

Müllner weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Arbeit hinter einem Glas Wein steckt. Seit rund zehn Jahren führt er den Betrieb, zuvor arbeitete er bereits bei seinem Vater mit. Seit 2011 wird ein eigenes Lokal für Weinverkostungen genutzt. Getragen wird der Betrieb von der gesamten Familie. „Im Weinbau ist es unmöglich, alles allein zu machen“, sagt er.

Gerade bei der Riedenwanderung könne man flexibel auf die Gruppe eingehen. Manche wollen mehr über den Wein wissen, andere interessieren sich vor allem für die Landschaft, die Geschichte oder den Ausblick über die Marchauen bis in die Slowakei. Am Ende soll niemand das Gefühl haben, ein starres Programm absolviert zu haben. Schließlich ist man auf Landpartie und nicht auf Lehrausgang.

Kellergassen, G’schichtln und ein Glas Wein

Wer tiefer in die Weinviertler Kellerkultur eintauchen möchte, kann sich Leopoldine Rauscher bei einer Führung durch die Jedenspeigener Kellergasse anschließen. Die sogenannten „Dörfer ohne Rauchfang“ waren früher Produktions- und Lagerstätten für Wein, aber auch Orte der Begegnung. Bei der „Köllastund“ wurde verkostet, fachgesimpelt und wohl auch das eine oder andere G’schichtl weitererzählt.

Die Führung verbindet den Besuch der Kellergasse mit dem Weinmuseum der Familie Ernst und einer Verkostung von drei Weinen. Anschließend geht es zu Fuß weiter zum Festivalgelände. Auch dieses Angebot eignet sich für Familien mit Kindern ab sechs Jahren – inklusive Traubensaftverkostung.

Wo die Geschichte der Habsburger begann

Dass Jedenspeigen nicht nur mit Wein, sondern auch mit europäischer Geschichte verbunden ist, zeigt die Wanderung mit Erika Koller. Sie führt über jenes Schlachtfeld, auf dem Rudolf von Habsburg am 26. August 1278 den böhmischen König Ottokar II. Přemysl besiegte. Die Schlacht auf dem Marchfeld gilt als eine der größten Ritterschlachten Europas und legte den Grundstein für den Aufstieg der Habsburger.

Die etwa dreistündige Wanderung führt zum Gedenkstein und über den Goldberg bis zum Sierndorfer Kellerberg. Unterwegs erzählt Koller von den Hintergründen, dem Verlauf und den Folgen der Schlacht – und davon, wie die Menschen damals in der Region lebten.

Wer die Geschichte lieber in Schlossmauern erlebt, kann ab Mittag das Schloss Jedenspeigen besuchen. Dort beschäftigen sich multimediale Ausstellungen mit der Schlacht von 1278, den Kellerlandschaften Mitteleuropas und der Weinglaskultur im Wandel der Zeit. Die Schlossvinothek ist ebenfalls geöffnet. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig. Das Schloss eignet sich damit auch für eine kurze Auszeit während des Festivals.

Rätselhafte Gänge unter Dürnkrut

Ein Programmpunkt führt noch weiter hinunter in die Weinviertler Geschichte – und zwar buchstäblich. Vor rund 30 Jahren entdeckte Ronald Malus bei Arbeiten an den Weinkellern in Dürnkrut sogenannte Erdställe. Dabei handelt es sich um künstlich angelegte, nicht ausgemauerte Gangsysteme aus dem Mittelalter.

Bis heute ist nicht endgültig geklärt, wozu sie dienten. Waren sie Zufluchtsorte, Kultstätten oder sollten sie Schutz vor einer erwarteten Katastrophe bieten? Bei der Führung können die geheimnisvollen Anlagen gefahrlos durch die Kellerröhren besichtigt werden. Eine Jacke sollte dennoch mitkommen: Im Weinkeller hat es lediglich zehn bis zwölf Grad.

Bereits die Anreise gehört zum Erlebnis. Vom Bahnhof Dürnkrut geht es mit dem Oldtimertraktor zu den Erdställen. Nach der Führung folgt eine Weinverkostung an einem Aussichtspunkt mit Blick über das historische Schlachtfeld. Anschließend bringt der Traktor die Gäste direkt zum Festivalgelände.

Zeitreise in der alten Volksschule

Ganz ohne Voranmeldung kann das Heimatmuseum in Sierndorf an der March besucht werden. Gerlinde und Martin Stohl führen dort durch die Geschichte des Ortes – von Funden aus der Jungsteinzeit über bäuerliche Geräte und altes Handwerk bis hin zu einer Schulklasse um 1900.

Das Museum ist seit mehr als 40 Jahren in der ehemaligen Volksschule untergebracht und umfasst rund 500 Quadratmeter. Zu sehen sind unter anderem eine der größten Ziegelsammlungen Niederösterreichs, historische Haushaltsgeräte, eine Feldschmiede, eine Waschküche und landwirtschaftliche Großgeräte. Am Festivaltag ist das Museum von 9 bis 15 Uhr geöffnet.

Dass auch in Sierndorf selbst etwas vom Festival spürbar ist, war den Organisatoren von Anfang an wichtig. „Das Team rund um Roland Sperk hat das großartig gemacht. Sie schaffen es, die Menschen zu motivieren“, sagt Müllner. Auch heimische Musikanten werden in das Festival eingebunden. So treten etwa die Reblausblech-Musiker nicht nur im Ort, sondern auch auf einer der Festivalbühnen auf.

Vom Kind bis zum Wienerlied-Kenner

Das Publikum ist dabei so bunt gemischt wie das Programm: Kinder sind ebenso dabei wie Seniorinnen und Senioren, langjährige Wienerlied-Fans ebenso wie Menschen, die das Genre erst für sich entdecken. Gerade jene Gäste, die einen ganzen Tag oder sogar ein Wochenende aus ihrem Besuch machen, seien besonders dankbar für die zusätzlichen Angebote, erzählt Müllner.

„Die Leute fühlen sich wohl, sie genießen den Tag und kommen gerne wieder.“ Damit gehe der ursprüngliche Gedanke der Landpartie auf: Ein Teil des Publikums möchte nicht nur zu einer Veranstaltung fahren, sondern die Region kennenlernen. „Wir freuen uns, dass wir diese Pakete anbieten können. Und es funktioniert.“

Ab 11 Uhr übernehmen schließlich die Musikerinnen und Musiker den Kellerberg. Bis 23 Uhr erklingen auf zehn Naturbühnen traditionelle und moderne Wienerlieder – unverstärkt, aus nächster Nähe und mitten in den Weingärten. Dazu gibt es Wein aus der Region, Weinviertler und Wiener Küche, ein Altwiener Kaffeehaus, eine Chill-out-Area und zum Abschluss Wienerlied-Karaoke.

Erstmals wird bereits am Freitag, dem 21. August, mit den 16er Buam und ihren Gästen auf das Festival eingestimmt. Der Freitagabend ist bereits ausverkauft, für den großen Festivaltag am Samstag sind noch Karten erhältlich.

Denn manchmal braucht es gar keine weite Reise für eine gelungene Landpartie. Einen Zug, ein bisserl Neugier und gutes Schuhwerk – mehr eigentlich nicht.

Termin: 21. und 22. August 2026
Hauptfestival: Samstag, 22. August, 11 bis 23 Uhr
Ort: Natur- und Kulturarena Sierndorfer Kellerberg, Sierndorf an der March
Rahmenprogramm: Führungen und Wanderungen am Samstagvormittag; Heimatmuseum und Schloss Jedenspeigen ohne Voranmeldung
Information und Tickets: www.landpartie-kellerberg.at

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© Regina Courtier, Weinviertel-Remasuri, Topothek, Postkarten, Alte Fotos, Dokumente, Alexander Schatek, Weinviertel, Leader Region Weinviertel Ost, Online-Archiv.

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