Kultursommer im Schloss Kirchstetten: Von Oper bis Austropop

Titelfoto: Klassik unter Sternen-Kirchstetten (c) Lorenz Pelzer

Im Schloss Kirchstetten in der Gemeinde Neudorf in Mistelbach wird der Sommer musikalisch ziemlich abwechslungsreich: Im kleinsten Opernhaus Österreichs steht Rossinis erste Oper auf dem Programm, im Ehrenhof erklingen Filmmusik und Austropop – und erstmals zieht auch das Kabarett ins Schloss ein.

Wer bei einem Klassikfestival ausschließlich an ernste Gesichter, schwere Vorhänge und noch schwerere Musik denkt, war vermutlich noch nie in Kirchstetten. Denn dort mag man zwar Rossini, Mozart und Verdi, hat aber offensichtlich auch nichts gegen Gert Steinbäcker, „Jurassic Park“ und einen ordentlichen Angriff auf die Lachmuskeln.

Das KlassikFestival Schloss Kirchstetten geht 2026 in seine 28. Saison. Den Auftakt macht von 29. Juli bis 8. August Rossinis erste Oper „La cambiale di matrimonio“, die im barocken Maulpertsch-Saal aufgeführt wird. Danach übersiedelt das Programm in den Ehrenhof des Schlosses.

Eine Tochter ist kein Wechsel

Gerade einmal 18 Jahre alt war Gioachino Rossini, als er 1810 den Einakter „La cambiale di matrimonio“ komponierte. Auf Deutsch heißt das Werk „Der Heiratswechsel“.

Die Handlung ist schnell erklärt: Der Londoner Kaufmann Mill möchte seine Tochter Fanny aus wirtschaftlichem Kalkül verheiraten. Dummerweise ist die junge Frau bereits verliebt – und zwar nicht in den vorgesehenen Bräutigam. Was folgt, ist eine turbulente Opernkomödie über Geld, Liebe und die nicht ganz unwichtige Frage, ob Töchter tatsächlich wie Handelsware behandelt werden dürfen.

Spoiler: dürfen sie nicht.

Gespielt wird im sogenannten „kleinsten Opernhaus Österreichs“. Gerade einmal 160 Menschen finden im Maulpertsch-Saal Platz. Näher kommt man einer Oper wohl nur, wenn man selbst mitsingt – was vermutlich nicht ausdrücklich erwünscht ist.

Inszeniert wird das Stück von Richard Panzenböck, die musikalische Leitung übernimmt Hooman Khalatbari.

Erst Klassik, dann Kino

Nach der Oper zieht das Festival hinaus in den Ehrenhof. Dort findet am 13. August zum bereits 16. Mal „Klassik unter Sternen“ statt. Das Moravian Philharmonic Orchestra spielt bekannte Ouvertüren von Rossini, Donizetti, Mozart, Puccini, Verdi, Wagner und Debussy.

Zwei Tage später wird es filmreif: Bei „Symphonic Blockbuster“ am 15. August bringt das Symphonieorchester der TU Wien große Kinomelodien nach Kirchstetten. Auf dem Programm stehen unter anderem die Soundtracks aus „Star Trek“, „Der Herr der Ringe“, „Forrest Gump“, „Jurassic Park“ und „Robin Hood“.

Fehlt eigentlich nur noch das Popcorn. Wobei man vermutlich auch mit einem Glas Wein ganz gut durch Mittelerde kommt.

Austropop und Kabarett im Schlosshof

Am 19. August gehört die Bühne Gert Steinbäcker. Die unverkennbare Stimme von STS bringt gemeinsam mit seiner Band Lieder wie „Großvater“ und „Die Sunn über’n Meer“ ins Weinviertel. Als Gäste sind Andy Baum und Christian Becker dabei.

Eine Premiere gibt es am 21. August: Zum ersten Mal steht beim KlassikFestival ein Kabarettabend auf dem Programm. Gernot Kulis präsentiert im Ehrenhof sein neues Programm „Ich kann nicht anders“. Wer ihn kennt, weiß: Es dürfte schnell, chaotisch und ziemlich lustig werden.

Damit spannt das Festival innerhalb weniger Wochen einen beachtlichen Bogen – von einer italienischen Oper aus dem Jahr 1810 bis zum österreichischen Gegenwartskabarett.

Im Herbst wird weitergespielt

Auch nach dem Kultursommer fällt in Kirchstetten noch lange kein letzter Vorhang. Von 25. September bis 7. Oktober geht es im Maulpertsch-Saal und rund um das Schloss musikalisch weiter.

Zum Auftakt wird am 25. September der 200. Geburtstag der historischen Kirchenorgel von Kirchstetten gefeiert. Dass das Instrument heute noch weitgehend im Originalzustand erhalten ist, verdankt es offenbar einem glücklichen Zufall: Während im Krieg andernorts Orgelpfeifen eingeschmolzen wurden, soll man auf jene in Kirchstetten schlicht vergessen haben. Manchmal zahlt es sich eben aus, nicht aufzufallen.

Der Weinviertler Organist Manuel Fröschl rückt das restaurierte Instrument mit Werken von Händel, Haydn und Mozart in den Mittelpunkt. Im zweiten Teil setzen Harfenistin Tina Zerdin und das Kammerorchester festliche Akzente.

Am 26. September folgt die Operette „Wiener Blut“, am 27. September kommt mit „Der gestiefelte Kater“ auch das junge Publikum auf seine Kosten. Die Kinderoperette richtet sich an Kinder von drei bis neun Jahren.

Musik aus dem Weinviertel

Im Oktober rückt schließlich die Region selbst in den Mittelpunkt. Beim „herbstKLANG weinviertel“ treten Künstlerinnen und Künstler auf, die im Weinviertel leben oder hier ihre Wurzeln haben.

Die Formation Stubenfliege rund um die gebürtige Weinviertlerin Eva Stubenvoll lädt am 2. Oktober zu einem musikalisch-humorvollen „Flug über Wien“. Einen Tag später präsentiert die Band HAUK ihr neues Album „Alles Liebe“.

Besonders weinviertlerisch wird es am 4. Oktober beim Wein-Wander-Konzert „Brass & Wine“. Das Konzept: Klappsessel schnappen, durch das herbstliche Schlossareal spazieren, der Bläsermusik von Trombone Attraction lauschen und Kirchstetter OpernWein trinken. Kultur kann manchmal erfreulich unkompliziert sein.

Den Abschluss der Saison bildet am 7. Oktober das Kalliopé Trio Prague mit „Parisienne nostalgie“ und französischer Kammermusik.

Das Sommerprogramm auf einen Blick

    1. Juli bis 8. August: „La cambiale di matrimonio“
    1. August: „Klassik unter Sternen“
    1. August: „Symphonic Blockbuster“
    1. August: Gert Steinbäcker und Band
    1. August: Gernot Kulis – „Ich kann nicht anders“

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