Patricia Staniek: Die Frau, die hinter die Fassade blickt

Kennengelernt habe ich Patricia Staniek vor rund drei Jahren während meiner Zeit als Redakteurin bei den BezirksBlättern. Die Gänserndorferin ist als Profiler, Kriminologin, Kriminalanalytikerin, Autorin und Unternehmerin in ganz Österreich und darüber hinaus bekannt. Im Zuge einer Veranstaltung zum Thema „Gegen Gewalt an Frauen“ im Rathaus Gänserndorf durfte ich sie auch als Speakerin erleben. Was bei Gesprächen mit ihr sofort auffällt, ist ihre Neugier auf Menschen, ihre klare Haltung und ihre Begeisterung für ihr Fachgebiet. Eigenschaften, die ihren außergewöhnlichen Berufsweg geprägt haben – von der Führungskraft in der Baubranche bis zur Pionierin des Behaviour Profilings in Österreich. Grund genug, die Frau hinter dem Profiling näher vorzustellen.

Vom Büro zur Unternehmerin

Menschen faszinieren Patricia Staniek schon ihr ganzes Leben. Während andere Kinder davon träumten, Tierärztin oder Lehrerin zu werden, wollte sie Kriminalhauptkommissarin werden. Doch ihre Mutter hatte andere Vorstellungen:

„Frauen heiraten und bekommen Kinder oder werden Friseurin“, erinnert sich Staniek heute an die Worte ihrer Mutter.

Der Traum von der Kriminalarbeit blieb – und nahm lediglich einen Umweg.

Das Beobachten wurde zu einer ihrer größten Stärken. Menschen einschätzen, verstehen und mit ihnen so kommunizieren, dass Kooperation entsteht – das zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Schon als Kind interessierte sie sich für das Verhalten anderer Menschen, beobachtete genau und wollte verstehen, warum Menschen handeln, wie sie handeln.

Ihr Berufsweg begann klassisch. Von der Sekretärin arbeitete sie sich über Assistentinnenfunktionen bis zur Führungskraft in der Baubranche hoch. Doch nebenbei bildete sie sich ständig weiter, hielt bereits früh Seminare und beschäftigte sich intensiv mit Kommunikation, Körpersprache und menschlichem Verhalten.

Ende 1998 traf sie eine mutige Entscheidung.

„Ich habe gekündigt und mich 1999 mit meinem Unternehmen ‚Rhetorik in Action‘ selbstständig gemacht.“

Anfangs trainierte sie Menschen, die in der Öffentlichkeit standen – darunter Politikerinnen und Politiker sowie Führungskräfte aus Wirtschaft und Management. Doch je tiefer sie in die Materie eintauchte, desto klarer wurde ihr eigentlicher Schwerpunkt.

„Menschen zu analysieren, ist meine Leidenschaft.“

Eine Leidenschaft für Verhaltensmuster und Dynamiken

Heute zählt Patricia Staniek zu den bekanntesten Expertinnen für Behaviour Profiling im deutschsprachigen Raum. Topmanager, Unternehmerinnen, Polizeibeamte, Staatsanwältinnen, Privatermittler, Führungskräfte und HR-Verantwortliche vertrauen auf ihre Expertise.

Dabei legt sie Wert auf eine klare Abgrenzung.

„Ich bin keine Kriminalprofilerin. Ich bin Verhaltensprofilerin.“

Ihr Ziel ist es, Verhaltensmuster, Motive und Dynamiken sichtbar zu machen.

Aus dieser Überzeugung entwickelte sie ihre eigene Methode „Profiling PScn für Wirtschaft und Sicherheit“. Dabei fließen Erkenntnisse aus Verhaltensanalyse, Gruppendynamik, Körpersprache, Kriminologie, Wirtschaftskriminalistik und Sicherheitsmanagement zusammen.

Mittlerweile läuft bereits der 19. Durchgang ihrer Profiling-Ausbildung. Zu ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern zählen Unternehmer, Ärzte, Rettungskräfte, Apotheker, Polizisten, Anwälte  oder Personalverantwortliche.

„Jede Gruppe ist individuell, aber immer eine Bereicherung. Menschen, die wirklich verstehen wollen, warum andere Menschen so handeln, wie sie handeln.“

Zwischen Wirtschaft, Sicherheit und Wissenschaft

Die Arbeit von Patricia Staniek bewegt sich heute in mehreren Welten gleichzeitig.

Im Bereich Sicherheit schult sie Polizistinnen, Kriminalbeamte, Sicherheitsdienste, Staatsanwälte und Privatermittler in Verhaltensanalyse, Suspicious Behaviour Identification und strategischer Vernehmung.

In Unternehmen unterstützt sie Führungskräfte und Personalabteilungen bei Recruitingprozessen, analysiert Teamdynamiken und hilft dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen. Ihre Expertise reicht von Wirtschaftskriminalanalyse über Sicherheitsberatung bis hin zu Krisenmanagement.

Auch bei komplexen Fällen wie Mobbing, Stalking, Finanz- oder Kryptobetrug arbeitet sie gemeinsam mit einer spezialisierten Task Force an Lösungen.

Darüber hinaus engagiert sie sich als Expertin an einer Forschungsstelle für Staatsverweigerung und subversiven Extremismus und bringt dort ihre Erfahrungen aus Praxis, Sicherheitsarbeit und Verhaltensanalyse ein.

Wenn Wölfe Feedback geben

Neben ihrer Begeisterung für Menschen gibt es noch eine zweite große Leidenschaft in Patricia Stanieks Leben: Wölfe.

Geprägt wurde diese bereits in ihrer Kindheit von einem Halbwolf aus einer ungarischen Auffangstation, der bei ihrer Familie ein Zuhause fand.

„Dieser Wolf war mein Seelenfreund. Er verhielt sich anders als ein Hund und war dennoch gleichzeitig mein bester Freund.“

Diese Faszination zu diesen Tieren ließ sie nicht mehr los. Von 2009-2019 kooperierte Patricia Staniek mit dem Wolf Science Center in Ernstbrunn. Dort konnte sie ihre beiden großen Interessensgebiete miteinander verbinden: das Verhalten von Menschen und das Verhalten von Wölfen.

Es entstand das außergewöhnliche Seminarformat „Wolf Experience“. Gemeinsam mit Verhaltensforscher Kurt Kotrschal begleitete sie 10 Jahre  Führungskräfte bei Begegnungen mit Wölfen – und sorgte dabei oft für überraschende Erkenntnisse.

„Mitarbeitende geben Führungskräften oft nicht das Feedback, das sie eigentlich bräuchten. Wölfe tun das immer.“

Denn Wölfe interessieren sich weder für Titel noch für Hierarchien. Sie reagieren unmittelbar auf das Verhalten ihres Gegenübers.

Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer seien solche Begegnungen ein ehrlicher Spiegel des eigenen Auftretens. Die Tiere reagieren unverfälscht – bleiben etwa auf Distanz und lassen ich auch nicht zwingen, näher zu kommen – und genau das macht die Erfahrung so wertvoll.

Auch in ihren gruppendynamischen Seminaren greift sie immer wieder auf Vergleiche zwischen Wolfsrudeln und menschlichen Organisationen zurück.

„Wolfsrudel in freier Wildbahn funktionieren eigentlich so, wie Unternehmen funktionieren sollten. Da gibt es klare Strukturen und jeder kennt seine Aufgaben und seinen „Platz“ in der Gruppe – die Realität in Betrieben schaut aber meistens anders aus“, weiß Patricia Staniek.

Engagement für Frauen

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagiert sich Patricia Staniek auch für Frauen, die sich in schwierigen oder bedrohlichen Situationen befinden.

Mit Sorge beobachtet sie gesellschaftliche Entwicklungen und frauenfeindliche Strömungen, die vor allem im Internet sichtbar werden.

„Ich erlebe da aktuell besonders in den Sozialen Medien Bewegungen, die mich vollkommen irritieren.“

Unter dem Namen „Phoenix“ unterstützt sie Frauen, die Hilfe benötigen, sich professionelle Beratung aber nicht leisten können. Besonders bei Stalking oder akuten Bedrohungssituationen versucht sie zu helfen oder vermittelt an geeignete Organisationen weiter.

Wissen weitergeben

Wer Patricia Staniek begegnet, spürt schnell ihre Begeisterung für das Lernen. Über die Jahre absolvierte sie zahlreiche Aus- und Weiterbildungen – von systemischer Organisationsberatung über Gruppendynamik und Persönlichkeitsanalyse bis hin zu Kriminologie, Wirtschaftskriminalistik und Sicherheitsmanagement.

Stillstand ist für sie keine Option.

Ihr Wissen gibt sie nicht nur in Seminaren und Lehrgängen weiter. Mit ihren Büchern „Profiling – Ein Blick genügt und ich weiß, wer du bist“, „Mein Wille geschehe – Macht und Manipulation entschlüsseln“ und „Status“ hat sie ihre Erkenntnisse auch einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Gleichzeitig investiert sie viel Zeit in die Ausbildung jener Menschen, die ihre Methoden und Denkansätze weitertragen sollen.

Wer mit Patricia Staniek spricht, merkt schnell: Die Neugier, die sie als Kind für Menschen, ihre Geschichten und ihr Verhalten entwickelt hat, ist bis heute geblieben.

Vielleicht ist genau das ihr Erfolgsgeheimnis. Patricia Staniek möchte Menschen nicht vorschnell beurteilen. Sie möchte verstehen, was sie antreibt. Und genau deshalb blickt sie bis heute hinter die Fassade – neugierig, aufmerksam und mit einer Begeisterung, die ansteckend wirkt.

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